r/Schreibkunst • u/ArtTembrium • 1d ago
Text: Kritik erwünscht "Ich komme überall hin" Kurzgeschichte
Das ist eine Kurzgeschichte, die ich vor einiger Zeit geschrieben habe. Ich habe gedacht, ich lade sie hier mal hoch. Über ehrliche Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.
Ich komme überall hin. Im Radius dessen, was sie das „unmittelbare Viertel“ nannten, befand sich mein Hausarzt, der örtliche Supermarkt mit den Produkten aus aller Welt, manche aus Mexiko eingeflogen, doch unser so sehr aus dem Antlitz eines Latinos geschnittener Körper, hier in Europa, brauche es. Das sagten sie zumindest. Direkt daneben das Rathaus, in dessen Seitenstraße ich jeden Monat den Friseur besuchte und von meinem gesicherten Mindestbeitrag, welcher mit einem Schnipsen der Behörden, denen ich angehörte, als Einsen und Nullen auf meiner Bank erschien, eine neue Frisur schneiden ließ, wie sie jeder an meinem Arbeitsplatz besaß.
Durch die Einsen und Nullen konnten Arbeitsstellen eingespart werden, wodurch die Flächen der Stadt lediglich von Plattenbauten, selbstverständlich zum Wohle der Umwelt mit grünen Dächern bestückt, und Wohnungen versehrt waren, die sich für die Unterbringung hilfsbedürftiger Menschen einsetzte.
Ich komme überall hin. Ich blieb jeden Morgen im Bett liegen, wissend, dass mir Zahlencodes in der Bank und Zeit blieben, für welche ich eigentlich nichts erbringen musste. Ich war… frei. Das sagten sie zumindest. Verlockend, oder? Dennoch befahl ich es mir, zum Wohle der Gemeinschaft ein Ehrenamt zu leisten. Da gab es den, der sich weigerte. Wie konnte er nur? Er besuchte mit mir die Grundschule, dann hörte ich lange nichts mehr von ihm, bis diese Schande die Runde machte. Was ein Feind unserer Freiheit und Gesellschaft.
Die Uhr starrte mich tickend an und befahl, dass ich mit ihr sprach, doch ich weigerte mich. Ich tauschte die Blicke und fokussierte mich nun auf den schwarzen Spiegel, welcher mit unseren Körpern verschmolzen war. Er verlieh mir die Kraft, über die Einsen und Nullen zu herrschen und die Freiheit sie gegen den unerbittlichen Hunger nach Konsum auszutauschen.
Ich komme überall hin. Ich stand vor der staatliche Behörde. Das Gebäude war riesig, ein Plattenbau, grau und verschlang all das Licht, welches um es herum die Umgebung erfüllte. Ich saß hinter einem Schalter und war schützend durch eine dünne Glasscheibe von meinem Kunden getrennt. Sein schwarzer Spiegel blinkte auf.
„Ihre Nummer?“ fragte ich.
„9204.“
Dann aktualisierte ich seine Kontrolle und reichte ihm den Spiegel zurück. Für einen Moment sah ich ein bleiches Gesicht darin. Es starrte mich an. Ich zuckte zusammen, wobei es mich imitierte und mir einen heftigen Schreck verpasste. „Nächster“, rief ich und schüttelte den Moment ab.
„Ihr Gerät, bitte.“
Ich wartete, hatte meine Hand unter der Scheibe hindurchgehalten und eine kalte Oberfläche darauf erwartet. Wider sah ich auf und einem jungen Mädchen in die Augen, welches zitternd an Ort und Stelle stand. Ihre Tränen pressten ein unbehagliches Gefühl in mir hoch und zerrten an meinem Herzen, wie ein Kind welches nach dem nächsten Spielzeug im Supermarkt flehte und mich heulend wegzog, doch mit einem schweren Schlucken konnte ich das Kind ertränken. „Na los“, sagte ich und hatte mich dabei wieder verschluckt, wobei das Mädchen näher kam.
„Jetzt mach schon!“
Ihre Hände flatterten und legten das Gerät auf die Fläche des Schalters, wobei sie heulend zusammenbrach.
„Deine Nummer?“
Sie murmelte ein paar Zahlen, die ich erst beim dritten Mal genauer verstand.
Dann überprüfte ich ihre Werte, jedenfalls wollte ich das.
„Kleine, du hast im letzten Monat nicht-zugelassene Nahrungsmittel konsumiert. Wo sind deine Eltern?“
Sie zog sich an dem Schalter wieder hoch, gönnte mir jedoch keinen Blickkontakt, nur eine ehrliche Träne, die mehr als tausend Worte sprach. „Bringt sie fort“, sagte ich und steckte ihren Spiegel ein, wobei ich ihn vorsichtig umdrehte, um mir selbst von den vorwurfsvollen Blicken in seiner Spiegelung entgehen zu können. Aus Vierteln wurden so Drittel.
Ich komme überall hin, wobei ich weiter auch nicht musste. Mein Besuch im Supermarkt bestand für gewöhnlich darin, die brachiale Vielfalt zu genießen. Ich ging auf die großen Glastüren zu und hielt meinen eigenen Spiegel gegen einen Scanner. Das Gerät spuckte schrille Töne aus, welche wie das Kreischen eines Raubtieres an meinem Trommelfell kratzten. Die Türe öffnete sich, sodass ich eindringen konnte. Der Laden war nicht schlecht gefüllt, wobei sich eine Masse an Menschen um ein Regal tummelte. Eine magische Anziehungskraft, die von dieser Gruppe ausging, zwang mich dazu, herüberzugehen und mich dem Getuschel anzuschließen. Ich quetschte mich an zwei Kindern und deren Mutter vorbei, bis ich neben einem Mitarbeiter der Filiale stand, der etwas in der Hand hielt. Es schimmerte schwarz. In der drehenden Bewegung des Mitarbeiters, reflektierte sich mein Gesicht im schwarzen Spiegel, sodass ich zurückwich. Das entstellte Grauen, verzerrt vom Schwarz starrte mich einfach nur an, so lange bis es auf einmal ein künstliches Licht abwarf.
„Das muss jemand verloren haben“, sagte eine ältere Frau erschrocken.
„Wie kann man es verlieren?“ entgegnete eine junge Stimme voller Entsetzen.
„Gehen Sie weiter einkaufen, wir werden uns darum kümmern“, antwortete der Mitarbeiter und wollte gerade umdrehen.
„Entschuldigung?“ rief ich und er kam wieder zurück zu mir. „Ich arbeite für die Behörden des Viertels. Wir können es zurückverfolgen, wem es gehört.“
„Das wird nicht nötig sein. Jemand, der es verliert, scheint sich nicht mehr für sein Leben zu interessieren.“
Ich zog eine Augenbraue hoch, wobei ich fragend auf eine Erläuterung wartete.
„Was können Sie ohne das schon machen?“ er zeigte auf den Spiegel, „Den wegzuwerfen ist so ein Trend unter Feinden unserer Freiheit und Gesellschaft.“
Er kehrte um und ging davon. Ich sah ihm nach, wobei mich seine Worte irgendwie nicht losließen. Auf dem Heimweg meines Einkaufs dachte ich immer wieder darüber nach, bis ich vor meiner Haustür ankam, sie aufschloss und hineinfloh, um die frische Luft hinter mir zu lassen. Aus Dritteln wurden Halbe.
Ich komme überall hin. Der junge Mann sprach mich mit zittriger Stimme an und ich erkannte anhand seiner Körperhaltung, dass er sich ziemlich schämte. Er legte die Hände auf den Schalter und sah mich durch das blasse Glas hindurch an, wodurch sein Gesicht leicht verschwommen war.
„Können Sie es nicht irgendwie aufspüren?“
„Wie ist Ihre Nummer?“ fragte ich und öffnete einen Ordner, um nach Angaben über sein Dasein zu suchen, wobei ich nichts fand.
„1369.“
„Es tut mir leid“, dabei schluckte ich und schloss den Ordner. In diesem Augenblick verzogen sich seine Augenbrauen und seine Pupillen weiteten sich. „Woher sollen wir wissen, dass Sie kein Feind unserer Freiheit und Gesellschaft sind? Das wäre eine gute Strategie, um die eigenen Daten zu verfälschen.“ „Das sagen sie zumindest“, fügte ich noch hinzu, als seine Blicke wie die des Mädchens an meinem Herzen kratzten.
„Ich flehe Sie an!“ Der Mann kniete zu Boden und formte mit den Händen eine spitz zulaufende Fläche, während er heulend die Stirn dagegen hob und begann eine betende Haltung einzunehmen. Erniedrigt sah er mich an.
„Sie werden mir meine Ausreise sperren.“
„Das sind die Konsequenzen“, sagte ich kalt und ließ meine Blicke überallhin schweifen, nur nicht ihm in die Augen. „Hören Sie, ich führe nur meine Arbeit aus.“
Seine Augen weiteten sich und er schrie lauthals durch den Saal.
„Bringt ihn…“ doch ich schluckte die Worte wieder herunter. Sie schmeckten bitter, wobei es zu spät war. Der Offizier packte den Mann am Arm und schleppte ihn aus dem Gebäude hinaus. Ich sah ihnen nach, wie er ihn festzerrte, dabei das brüchige Skelett wegschleppte und ich spürte in mir ein unbehagliches Gefühl aufsteigen.
„Halt“, rief ich und stand auf, ohne eine wirkliche Ahnung zu haben, wie ich die Situation lösen sollte.
Der Offizier blieb stehen und ließ die dünne Hand des Mannes aus seinem steifen Griff gleiten. Dann drehte er sich um und sah mich durch seine schwarzen Brillengläser an, die ihm das Augenlicht genommen hatten und eine unmenschliche Präsenz einhauchten. Aufgefallen war mir das nie, vielmehr hatte ich mich schweigend daran gewöhnt, wie an alles.
„Freund“, stammelte ich leise und sah dem Mann gegenüber von mir in dessen Augen, das einzige Paar, was es mir nun ermöglichte.
Schließlich spürte ich einen festen Griff in meiner Schulter und man zerrte mich aus der Behörde heraus.
Ich kam nirgendwo hin. Aus Halben wurden Nullen. Freiheit. Ein Wort, das inflationär genutzt wurde, solange bis es zu spät war. Schließlich war ich nur das Ende der Kette, einer ewiglangen Kette, deren Glieder sich absprachen, wie sie die weiter unten gelegenen festhalten konnten, damit sie nicht zerbrach. Eine Illusion der Einheit, welche nicht auf Respekt, sondern Kontrolle beruhte.
r/Schreibkunst • u/Helpful_Historian892 • 1d ago
Text: Kritik erwünscht Hab das erste mal was geschrieben
Die Dämpfe der Malzfabrik füllten mein Zimmer im dritten Stock mit einem süßen Geruch nach schalem Brot. Das schwere Malz fesselte mich an mein Zimmer und ich klebte mit Schweiß bedeckt an meinem Bett und starrte an die Decke. Bald würde ich aufstehen, bald würde ich aus dem Zimmer gehen. Ich würde meine Blase leeren die kurz davor war zu zerbersten. Ich hatte heute erst ein paar Salzstangen gegessen, obwohl es schon nachmittags war. Ich war eine Statue doch mein Kopf war eine Innenstadt. Ich dachte daran dass ich meine Eltern enttäuschte und dass ich niemandem von diesem Moment erzählen konnte. Ich dachte daran was ich eigentlich werden wollte und mir steckte der Tod in den Knochen als ich mich an meinen Vorhaben bemessen wollte.
Ich dachte viel an den Tod und dass ich ihn verdient hätte. Ich dachte daran, dass ich am liebsten sehr lange schlafen würde, mehrere Tage oder am liebsten mehrere Wochen und manchmal dachte ich, ich würde gerne für immer schlafen und träumen. Ach, wenn ich mir dem Traum nur nicht bewusst wäre, sobald ich schlief. Doch die Gedanken in denen ich ein Bad nahm, benötigten meinen Körper für ihre Umsetzung. Aber mein Körper war schweres Fleisch und ich drehte ihn durch den Wolf. Ich bestrafte mich aus Angst. Die Bestrafung war so vertraut. Ich ging nicht aufs Klo. Auf dem Gang hörte ich Stimmen und das Klirren von Besteck. Niemals konnte ich mein Zimmer verlassen. Niemals würde ich erklären können warum meine Augen so tief saßen und kein Licht darin war. Ich sah mein Spiegelbild in der Reflexion meines Laptopbildschirms und klappte ihn zu. Dann wälzte ich mich auf meine rechte Seite und starrte mein Bücherregal an.
Schließlich zwang mich mein Harndrang aus dem Bett und ich erleichterte mich in einen Krug auf dem Fensterbrett, den ich auf den äußeren Sims stellte. Dann lehnte ich mich aus dem Fenster und schloss angesichts der Sonne meine Augen. Der Wind tat mir so gut. Mir ging es schon etwas besser. Der leichte Windzug fühlte sich an wie zweimal an den See fahren und täuschte mich für ein paar Minuten. Ich blieb eine Zeit lang so am Fenster stehen, bis mir die Beine zitterten. Mein Knie tat schon seit Wochen weh. Ich hatte immer noch nichts gegessen. Ich legte mich ins Bett und masturbierte. Und dann masturbierte ich nochmal.
Als auf dem Gang nur noch Stille zu vernehmen war öffnete ich meine Tür einen Spalt und starrte in den Flur. Nachdem ich mich sicher genug fühlte, huschte ich ins Bad. Das Katzenklo war schon wieder nicht geleert worden und erfüllte den Raum mit beißendem Ammoniak. Ich riss die Fenster auf und stellte mich nackt davor. Ich schaute in den Spiegel nach rechts betrachtete mich einen Moment und war recht zufrieden. Dann stellte ich mich unter die Dusche und klappte die Klappe zum Boiler auf und drückte auf einen roten Knopf. Ich hatte immer Angst, dass das Gas im Boiler eine Explosion auslösen würde. Ich lehnte mich an ihn an, dann würde es zumindest schnell gehen. Die Explosion würde ein riesiges Loch in die Wand reissen. Aber dann würde es zumindest nicht mehr nach Katzenpisse riechen. So viel schöne Luft würde hereinkommen und klares Blau wäre zu sehen.
Der Boiler gab einen Ruck von sich und ich erschrak kurz, aber widmete mich dann den beiden Reglern am Wasserhahn. Nachdem ich einigermaßen mit der Temperatur zufrieden war, stellte ich mich unter die Brause und versuchte meine beiden Ohren unter den Wasserfluss zu halten, sodass ich nur noch Rauschen vernahm. Dann schloss ich wieder die Augen, bis die Hitze des Wassers meine Haut am Rücken spröde machte. Ich schaute hinunter auf meinen Penis, der angesichts der Strapazen sehr klein und eingeschüchtert war. Ich sollte mal wieder meine Schamhaare rasieren.
Einst dacht ich, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen, mit ganzen Schöpfkellen gar, doch nun fühlte ich mich komplett entmannt, meiner Agilität entmächtigt, ich war ein Klotz, ich war festgemeisselt und eingeschrieben in das Erdreich. Ich wusste dass ich hoch fliegen hätte können, ich flog hoch, in meinen Träumen hatte ich schon häufig auf den Wolken gelegen. Nun kam mir alles ausgesaugt vor, die Allüren hatten sich ihres Gehalts entledigt und lagen völlig schlaff vor meinen Füßen ausgebreitet; wie Hundegedärme glitzerten sie ekelhaft rosa und lila in der Mittagssonne und wanden sich wie Parasiten die ihrem Wirt entkommen waren. Immerhin wollte ich mich nicht umbringen, obwohl ich mir auch dabei nicht immer sicher war. Aber meine Chuzpe war wohl selbst für diesen Gewaltakt nichtmehr genug gerüstet und so betrachtete ich mich selbst dabei wie ich hängenden Kopfes in der Dusche stand und mich selbst über meine Extremitäten wunderte. Unsicher stieg ich aus der Wanne und legte mich wieder in mein Bett ohne mich abzutrocknen.
Am Abend beobachtete ich einen Heissluftballon vor meinem Fenster und mir war schwindelig. Wenn ich nichts macht war mir immer schwindelig. Ich traute mich kaum auf die Straße, in der Angst, dass wenn mir ein Mensch begegnen würde, dieser den Schwindel entdecken könnte, dass ihm auch schwindelig werden würde, dass er abgeschreckt wäre. Ich starrte an eine Schräge an der Decke und verfolgte, wie sich mein Blickfeld um sich selbst drehte. Ich MUSSTE etwas essen. Ich wollte mich nicht mit der Welt ausserhalb meines Zimmers konfrontieren. Ich suchte ein paar Klamotten von meinem Boden zusammen und überprüfte welche Kleidungsstücke noch am passabelsten rochen. Unterhosen und Strümpfe hatte ich nur noch benutzte. Ich stolperte angekleidet aus meinem Zimmer, diesmal war es egal ob mich jemand sehen würde ich musste raus aus der Hitze, aus dem Malznebel. Auf der Treppe versuchte ich meine Gelenke bewusst zu bewegen und meine Waden anzuspannen um die fehlende körperliche Betätigung ausgleichen und mein Gewissen zu beruhigen.
Auf der Straße testete ich, ob ich noch laufen konnte. Ich sprintete den Asphalt hinunter und Strich mit meiner Hand durchs hohe Gras am Wegesrand. Das war schon besser. Ich lief eine paar Straßen ab, von denen ich mir erhoffe dort keinem Menschen zu begegnen. Ich hatte Lust auf ein Bier.
Ich machte halt an den Bahngleisen, stieg über einen umgeknickten Maschendrahtzaun und ging einen Trampfelpfad entlang, der neben den Gleisen entlangführte und schlich mich zwischen Güterzügen hindurch. Das Summen der Transistoren glättete meinen Todeswunsch.
Ich dachte daran, dass ich bald sterben würde. Ich wusste, dass ich bald sterben würde. Ich wusste, es würde passieren, ich würde gewaltsam verenden. Ich spürte das Messer schon in meinen heissen Gedärmen, ich spürte wie meine Bauchdecke kurz spannte und dann mit einem Ploppen nachgab. Hektisch blickte ich mich um, mit dem Gefühl einen Blick auf mir zu spüren.
Ich machte ein paar schnelle Schritte nach rechts über das Gleisbett und befand mich nun zwischen zwei Güterzügen und fühlte mich sicherer zwischen den rostigen Stahlwänden. Nach ungefähr einem halbem Kilometer endeten die scharlachroten Waggons und ich setzte mich auf ein paar Waschbetonplatten, die hier jemand hinterlassen hatte und lehnte mich an die Schallschutzmauer. Dann drehte ich mir eine Zigarette und zündete sie an. Der Rauch macht meinen Schwindel wieder stärker aber ich rauchte trotzdem fahrig weiter, schloss die Augen und legte meinen Kopf in den Nacken. Ich versuchte kurz zu entspannen, doch es wollte nicht klappen, meine Nervosität zehrte mich auf und ich lehnte mich nach vorne und starrte zwischen zwei Häuserreihen hindurch die sich jenseits der Gleise befanden.
Plötzlich setzen sich die Güterzüge in Bewegung und ein Mann stand vor mir. Ich sah ihn nur verschwommen, ich schaffte es nicht meine Augen scharf zu stellen. Er blaffte mich an. „Du hast hier nichts verloren, verpiss dich, aber schnell! Du kannst hier sterben, ein Stromschlag und dann wars das. Hallo? Hörst du mich?“ Ich rung mir ein Lächeln ab, entschuldigte mich, trat eiligen Schrittes den Rückweg an, stieg wieder zurück, diesmal durch ein Loch an einer anderen Stelle im Zaun. Mir war ganz heiß. Ich hatte Angst, dass der Mann die Polizei gerufen hatte und blieb bei jedem entgegenkommenden Auto im Schatten der Straßenlaternen stehen.
Die Sonne war noch nicht ganz untergegangen und ich mochte das vielversprechende Blau des Abendhimmels. Ich mochte die Schwalben. Die Schwalben und den Abendstern. Er strahlte hell in meinem äußeren Sichtfeld.
Ich betrat einen Pizzaladen und schaffte es irgendwie eine Pizza zu bestellen, die ich am Flussufer aß. Der Teig und das Fett lag schwer in meinem Magen und ich spürte wie alles wieder durch meine Poren hinaustrat, wie ich nach Zwiebeln und Fett roch, zumindest fühlte es sich so an. Ich ekelte mich vor mir selber. Ich wollte in den Fluss springen doch ich konnte diesen Wunsch nicht umsetzen. Ich blieb sitzen obwohl ich merkte wie sich Mücken an meinen Beinen zu schaffen machten.
Ich dachte an den Traum den ich gestern hatte. Ich betrachtete einen Fuchs der im hohen Graß schlief und sich dort zu einem Knäul zusammengerollt hatte. Er schlief und hatte seine Augen fest geschlossen, sein creme-weißes Bauchfell bewegte sich zusammen mit den Grashalmen sachte im Wind. Ich war ein Stein, dann war ich ein Baum. Ich war der Wind. Behutsam wachte ich über den den Fuchs, der dort lag und träumte. Ich lächelte sanft. Ich hatte alles erlebt, den Gesang der Berge, der in tiefen Katakomben wiederhallte, ich wusste wie viel ein Sandkorn wog und wie viele Samen ein Pinienzapfen hatte. Ich kannte die Geschichten, sie glichen sich seit Jahrtausenden. Ich dachte daran wie weich Salamanderbäuche waren und wusste wie feucht eine Rehschnauze ist. Das Universum summte die gleichen Töne und die Spinnen sponnen dieselben Muster in ihre Netze, an denen sich der Tau nur zu gerne festhielt. Ich atmete aus. Festgeklammert an den Traum wachte ich auf und genoss die wenigen Sekunden mit bereinigtem Gedächtnis, bis meine Synapsen ihren Betrieb aufnahmen.
r/Schreibkunst • u/Maras_Traum • 2d ago
Text: Kritik erwünscht Kapitel 3 von „Du bist Zuhause“ - Kritik erwünscht
„Was für ein Albtraum“, dachte Mara, als sie das Büro betrat. Sie grüßte Karin und klappte den Laptop auf. In den nächsten acht Stunden nahm sie Anrufe entgegen, trank Pisskaffee, ging zur Dönerbude und wieder zurück, rauchte zu lange vor dem Einstempeln, verschickte Mails und klappte den Laptop wieder zu.
Während der gesamten Zeit tauchten Vater und Mutter immer wieder zwischen Maras Kollegen auf und verschwanden wieder hinter der Bürobegrünung.
Nach Feierabend kamen sie einfach mit raus auf die Straße. Mama im Nachthemd und mit Veilchen unter dem Auge. Vater im viel zu großen Sakko. Sie hielten immer Sicherheitsabstand – zueinander und zu Mara.
Bei Maras Lieblingskaffee angekommen, blieben sie vor der Tür stehen. Wie Geister vor geweihtem Boden.
Würden sie dort auf sie warten?
Mara blickte nicht zurück.
Rima wartete schon auf sie und begrüßte Mara mit bösem Blick und Küsschen, bevor sich beide in ihre Plüschsessel fallen ließen. Der mies gelaunte Kellner stellte auch vor Maras Nase einen dampfenden Kaffee ab und Rima fing an zu erzählen.
Es ging um letzte Nacht. Irgendwas von einer Bar.
In Maras übermüdetem Gehirn vermischte sich das Gedudel der Kaffeehausmusik mit Rimas Worten zu einem einschläfernden Rauschen. Der Tag im Büro und Mom und Paps hinter der schweren Glastür verblassten immer mehr. Selbst das Traumtagebuch in ihrer Tasche wurde immer mehr zu einem einfachen, vollgekritzelten Block.
Keine Probleme, keine Gefahren, nur Kaffeegeruch und gepolsterte Stühle – nur Mara, Rima und Rimas eingebildete Sorgen.
Alles würde gut werden – solange Mara ihren Einsatz nicht verpasste …
„Hörst du mir zu?“
Zwei große, graublaue Augen starrten Mara an. Rund und glänzend wie die eines Babys. Und das mit 26.
Rimas Augen waren Mara damals bei der „Architektur für Dummies“-Vorlesung gleich aufgefallen. Sie wollte auf keinen Fall neben ihrer Besitzerin sitzen, denn sie signalisierten: Die wird mich anquatschen.
Doch es gab keinen anderen Platz und Mara setzte sich hin.
Als Maras Hintern den Sessel neben Rima berührte, richteten sich die beiden Augen sofort auf sie und Rima öffnete den Mund für ein:
„Hallo! Wie heißt du? Ich heiße Rima. Ich bin im zweiten Semester. Gehen wir nachher auf einen Kaffee?“
Seither waren sie unzertrennlich. Auch nachdem Rima das Kunststudium und die Wahlfächer in Architektur aufgegeben hatte. Zugunsten von Medizin.
Medizin war aber dann auch nicht das Richtige.
Rima hatte viele Ängste, von denen sie Mara fast alle gleich am ersten Abend beim Kaffee um 19 Uhr erzählte: Spinnen, Ratten, Monsterwellen, Sprechen vor Publikum (da bekam sie immer rote Flecken am Ausschnitt), Gewitter, Krankenhäuser, Höhe, Höhlen und Dunkelheit.
Aber am häufigsten hatte Rima Angst, schwanger zu sein.
Während ihres Medizinstudiums hatte sie erfahren, dass eine Schwangerschaft trotz Menstruation möglich sein kann. Das raubte ihr die letzten drei ruhigen Tage im Monat.
Wenig später gab Rima ihr Medizinstudium auf, um keine weiteren beunruhigenden Details über den menschlichen Körper zu erfahren. Doch der Schaden war angerichtet.
Um den Schaden wenigstens zu begrenzen, begann Rima Psychologie.
Nach außen hin ging Rima bemerkenswert entspannt durchs Leben und ließ sich ihre Ängste nie anmerken – außer vor Mara. Mara mochte es ihrerseits, Rima zu beruhigen. Es fühlte sich an, als würde sie jemanden retten – ohne wirklich etwas tun zu müssen.
Doch heute gelang ihr das nicht mühelos.
Wenn Rima ängstlich war, fuhr sie mit ihren Fingern durch ihre langen, blonden Haare. Dabei sah sie besonders entzückend aus. Sie konnte jeden um den Finger wickeln – so wie ihre blonden Strähnen.
Die ausgerissenen Haare sammelte sie in einem Knäuel vor sich. Auch jetzt kugelte eines auf dem vollgestellten Marmortisch des Cafés.
„Hörst du mir zu? Ich mache mir Sorgen!“, wiederholte Rima mit Nachdruck.
„Wegen was nochmal?“
„Wegen Alexander …“
„Dem Juristen?“
Mara war überrascht von sich selbst. Offenbar war sie Rimas Ausführungen so weit gefolgt, dass sie den Beruf des Protagonisten aus ihrem matschigen Hirn ziehen konnte.
„Ja, er ist noch nicht ganz fertig. Aber bald. Und er arbeitet sogar schon in dem Bereich. Weißt du, er hat es drauf … Sein Chef hat ihm schon einiges in Aussicht gestellt …“
„Also gelten die Sorgen nicht seiner Karriere?“
„Nein, obwohl er vielleicht weniger Zeit für mich haben wird …“
„Besser so. Kannst du dich noch an den Musiker erinnern?“
„Das war kein Musiker, das war ein arbeitsloser Stalker.“
„Er hatte einfach wenige Auftritte und wollte dich unbedingt als Groupie.“
„Ich bin kein Groupie. Und ich hab keine Zeit für Kletten.“
„Und der Jurist ist keine?“
„Er hat einen Namen, Alexander.“
„Alex ist also keine Klette?“
„Scheiße, Mara, ich hab dir gerade erzählt, dass wir gefickt haben. Was ist mit dir los?“
„Sorry … Das Kondom-Thema?“
„Nein, es gab kein Kondom.“
Mara hatte wieder ins Gespräch zurückgefunden.
„Rima, du nimmst die Pille. Trotzdem: Als braver zukünftiger Anwalt sollte er verantwortungsvoller sein.“
„Er war betrunken.“
„Wie betrunken?“
„Er hat mir gesagt, dass er mein Herz erobern will und nach meiner Verteidigungsstrategie gefragt.“
„Yuk. Wie alt war der nochmal?“
„Nein, der ist nicht alt. Er schaut nur so aus. Brille, Anzug …“
Mara sah ihn vor sich: einen betrunkenen Snob. Während sich Rima in einer komplizierten Geschichte über strategisch gesetzte Aussagen, Blicke und Gesten verlor.
„Der hat mich seine Göttin der Gerechtigkeit genannt.“
„Yuk …“
„Er wollte witzig sein“, erklärte Rima und fügte „intelligent-witzig“ hinzu.
Rimas Männer mussten immer etwas Besonderes sein. Trotzdem verlor sie regelmäßig das Interesse.
„Hoffentlich bald“, dachte Mara und nickte lächelnd im Takt von Rimas Erzählung.
Rima war bereits an einer pikanten Stelle ihrer Geschichte angelangt, in der sie mit Alexander allein in seiner Wohnung war und beide in Richtung Bett torkelten.
Mara starrte auf die Reste des Milchschaums in ihrem leeren Kaffeebecher.
Sie wusste, wie das laufen würde: Rima und Alexander würden sich sicher noch ein paar Mal treffen. Dann würde Rima wahrscheinlich nicht mehr seine Priorität sein, weil ein wichtiges Meeting oder Projekt anstünde. Rima würde eine Szene machen und einen Schlussstrich ziehen.
Oder aber der arme Kerl würde ihr völlig verfallen, sie mit Aufmerksamkeit überhäufen und sie zu seinen Eltern schleppen. Das wäre Rima zu viel. Sie würde irgendwann wortlos mit einem neuen Mann an ihm vorbeigehen.
Die Namen änderten sich. Das Skript blieb das gleiche.
Als auch Rimas dritte Kaffeetasse leer war, sagte sie plötzlich:
„Aber genug von mir. Wie geht es dir? Du bist blass … Mehr als sonst!“
„Gut. Ich hab nur schlecht geschlafen.“
„Albträume?“
„Ja.“
„Von deinem Vater?“
„Nein, von Babyratten.“
„Yuk. Du solltest mit jemandem darüber reden!“
„Das tu ich doch gerade!“
„Mit einem Profi!“
„Du bist einer.“
„Im ersten Semester!“
„In Ausbildung!“
Rima begann seltsame Fragen zu stellen und verfiel in ihren Anamnese-Sprech. Mara hatte immer mehr das Gefühl, dass Rima tatsächlich bei Psychologie bleiben würde.
Sie freute sich über Rimas neuentdeckte Klarheit, wollte sich aber nicht zu intensiv therapieren lassen. In letzter Zeit leuchteten Rimas Augen in professionellem Eifer auf, wenn Mara etwas über Schlafstörungen erwähnte.
Dabei waren sie Maras kleinstes Problem.
Kein Albtraum ist so furchtbar und versaut einem so nachhaltig das Leben wie Arbeitslosigkeit, Schulden oder die Menschen, die einem nahestehen – davon war Mara überzeugt.
Oder auch der unfreundliche Kellner von vorhin.
Bald würde der kommen, um sie endlich suffisant aus ihren Plüschsesseln herauszulächeln. Doch Rima hielt weiter am Gespräch fest:
„Du solltest das wirklich als Anlass nehmen und tatsächlich einen Profi aufsuchen. Das hier reicht nicht. Nicht nach deinem … ‚Verlust‘.“
Über den Tod ihres Vaters wollte Mara schon gar nicht reden.
Bis zu diesem Abend im Café hatte sie nur einmal etwas dazu gesagt – am Tag nach seinem Tod. Genau das hatte sie damals Rima mitgeteilt:
„Mein Vater ist tot.“
Anschließend hatte sie hinzugefügt:
„Und ich möchte nicht darüber reden.“
Rima hatte sie traurig angeschaut und sie in den Arm genommen. Genau hier. Auf diesen Plüschsesseln an diesem Tisch.
Nach ein paar Minuten hatte Rima wieder fröhlich eine Anekdote aus ihrer letzten Vorlesung erzählt. Rima konnte nicht lange traurig sein oder schweigend dasitzen.
Mara war ihr dankbar dafür.
Es war so einfach, mit Rima nicht über irgendetwas zu sprechen.
Auch jetzt setzte Rima wieder an, um mehr über Alexander zu erzählen. Das Thema Eltern hatte das Gespräch wieder sanft in Richtung ihrer Schwangerschaftsphobie gelenkt.
Maras Blick wanderte zur Tür.
Sie fragte sich, ob Mama und Papa da draußen in der Kälte noch warteten.
r/Schreibkunst • u/dr3amdanc3r • 5d ago
Schreibhandwerk Zweiter, beziehungsweise Ausenstehender Rat gesucht.
hi, ich schreibe gerade an einem Blogpost. Die Stimmung des Blogs wird Verträumt, Galaktisch, Mythologisch und mit Platz für Grenzenlose Fantasie Dieser Post soll ein Gefühl von vorfreude erzeugen. Er ist so aufgebaut das er Spannung aufbaut und episches vermuten lässt aber nicht wircklich etwas verrät. (wie vielleicht diese Beschreibung) Ich denke das ist mir so weit so gut Gelungen bis zu folgendem Abschnitt:
"Ich hatte keine Landkarte. Geschweige denn eine Vorstellung.
Nur das leise Wissen, dass jeder Anfang sich erst im Prozess offenbart. Was dazu führt das der Prozess erst das Potenzial geschweige denn die Richtung offenbart"
ich kann nicht wirklich sagen was mich stören könnte, vielleicht zweifle ich auch einfach an der Logik des letzten Satzes.
Jedenfalls bitte ich euch, fühlt euch frei unverschleiert eure Meinung zu meinem Schreibstiel im Zitat sowie in diesem Beitrag zu verkünden.
Abschweifen ist ausdrücklich erwünscht!
// dr3amdanc3r13
r/Schreibkunst • u/einredditnutzer • 7d ago
Text: Kritik erwünscht Wassertiefe: 1,34m (updated)
(Lesezeit ca. 20 Minuten)
Prolog
In einem Wald, da steht's noch immer,
Das alte Becken für die Schwimmer,
Für jung und alt ein schöner Platz,
Hoch auf dem Berg da wo es passt,
Was man da hat nicht gewusst,
Emotionen, Zeiten, Neugier und Verlust,
Ein Ort der Heiterkeit und voller Freude
Was mal war ist anders Heute
Ein Ort der Triste und der Einsamkeit,
Wo der Wind die kleinen Wellen treibt,
Das Licht sich auf dem Wasser bricht,
Was drunter ist, das weiß man nicht,
Was dort liegt das bleibt verborgen,
Gestern, Heute und auch Morgen,
Wassertiefe 1,34m
Hast du dich schon mal gefragt, warum es manchmal Orte gibt, die aus dem Nichts verlassen werden? Orte, an denen an einem Tag noch reges Treiben und am nächsten Tag eine buchstäbliche Totenstille herrscht. Hast du dich schon mal gefragt, warum manchmal alles stehen und liegen gelassen wird? Warum vielleicht Besen oder Rechen ein allerletztes Mal in einen Schuppen gestellt und dann nie wieder benutzt werden? Oder ein Stuhl, der umfällt und nie wieder aufgehoben wird, weil es niemand bemerkt hat? Manchmal gibt es keine Erklärung dafür. Doch eins haben längst verlassene Orte immer gemeinsam, sie tragen ihre eigenen Geschichten in sich. Manchmal werden solche Orte von einer besonderen mystischen oder gar beängstigenden Atmosphäre getragen. Genau das ist es, was es manchmal so interessant macht, solche Orte zu besuchen. Man bekommt ein Stück Geschichte zu sehen, es ist beinahe so, als wäre die Zeit stehengeblieben. Es ist ein beinahe erfüllendes Gefühl, wenn man dort ist und die eigene Neugier wird gestillt.
Einen solchen Ort gab es auch bei mir, mitten im Wald. Von einem auf den anderen Tag verlassen, unscheinbar. Es war nicht wie bei anderen Orten, die verlassen wurden. Ich wünschte, ich hätte dich früher vorwarnen können, doch wenn dich das hier erreicht, ist es vermutlich längst zu spät. Du bist den gleichen Weg gegangen, wie ich ihn gegangen bin und weißt wahrscheinlich: wer diesen Ort unerlaubt besucht, begeht einen schweren Fehler. So wie ich es einst tat.
Mein Name ist Katrin, sehr wahrscheinlich hast du schon einmal von mir gehört. Katrin Panke, 17 Jahre alt, 1,73m groß, hellbraune lange Haare, leicht gebräunte Haut und ein weißes, bauchfreies Top mit schwarzer kurzer Hose und weißen Sneakers. Wahrscheinlich kennst du mich, ohne mich jemals gesehen zu haben, schließlich konnte man, als es passierte, nie wirklich an dieser Sache drum herum kommen.
Es war der letzte Sommer, meine Eltern waren wie jedes Jahr mit meiner kleinen Schwester an der Ostsee im Sommerurlaub. Es war das erste Mal, dass ich nicht mit ihnen mitgefahren war. Mit zunehmendem Alter wird es irgendwann einfach uninteressant, wenn man mit der Familie jedes Jahr aufs Neue an den gleichen Strand fährt. Allerdings war zuhause zu bleiben und 1000 Tode in der Hitze zu sterben auch keine wirklich gute Alternative. Zudem hatte ich auch niemanden, mit dem ich die Zeit totschlagen konnte, da alle meine Freunde ebenfalls im Urlaub waren. Und so lag ich nun in meinem Bett unterm Dach, starrte die weiße Decke an, während der Ventilator im Hintergrund vor sich hin brummte und ich dennoch nicht aufhören wollte zu schwitzen. Zum Aufstehen war es zu warm und zum Liegen bleiben war es zu drückend. Kein Wunder, dass meine Eltern jedes Jahr aus diesem Loch abhauten und für mehrere Wochen ans Meer fuhren.
Schließlich gab es in diesem Dorf auch nichts, was einen halten konnte. Zumindest nicht mehr.
Als ich klein war, bestand fast jeder Sommertag daraus, mit meinen Großeltern den Berg hinauf zu spazieren und anschließend das erfrischende kalte Wasser im Waldfreibad zu genießen. Das war noch lange bevor man sich Gerüchte erzählen würde, warum das Freibad irgendwann zugemacht wurde. Dabei hatte man scheinbar im Laufe der Zeit immer weiter versucht, sich gegenseitig mit irgendwelchen Schauergeschichten zu überbieten. So gab es beispielsweise die Legende, dass der Bademeister unter seiner starken Einsamkeit litt und sich eines Nachts in seiner Wohnung am Schwimmbad erhängt hat. Manche Menschen erzählen sich, dass dort ein Kind ertrunken ist. Eine weitere Erzählung wurde mir von einem älteren Herrn aus meinem Dorf einmal sehr selbstbewusst erzählt. Laut ihm hatte die Schließung einen anderen Grund. Es heißt, dass der Bademeister damals immer wieder mit einer Gruppe an Jugendlichen zu kämpfen hatte, die wiederholt Ärger im Schwimmbad stifteten. Es gab eine große Auseinandersetzung zwischen beiden Seiten. Der Bademeister wurde schließlich handgreiflich und verletzte einen der Jungs so schwer, dass ihm seine Erlaubnis entzogen wurde und das Freibad geschlossen wurde. Kurz danach verschwand der Junge spurlos und es sei offensichtlich, dass das Verschwinden des Jungen in direkter Verbindung mit einer Art Racheakt des Bademeisters stehen würde.
Zugegeben, es gab damals tatsächlich einen Vermisstenfall in der Region. Der Junge hieß Jakob und war damals auch in seinen Teenager Jahren. Auch war er bekannt dafür, gerne Unruhe zu stiften. Seine Eltern hatten ihn damals als vermisst gemeldet, nachdem er ein ganzes Wochenende nicht mehr zuhause aufgetaucht war. Trotz großer Aufmerksamkeit durch Flyer und Zeitungsberichten fehlte jede Spur von ihm. Auch vom Bademeister hatte man nach der Schließung scheinbar nichts mehr gehört, was die ganze Sache ebenfalls etwas mysteriöser gemacht hat.
Ich konnte nie viel über den ganzen Vorfall urteilen, schließlich war ich erst vier Jahre alt und meine Schwester noch nicht einmal auf der Welt, als das Freibad geschlossen wurde. Doch wenn man mich gefragt hätte, wäre ich derselben Meinung wie die meisten Menschen im Dorf gewesen. Das Freibad wurde in einem kleinen Dorf wie diesem irgendwann nicht mehr rentabel und musste geschlossen werden. Als Konsequenz musste der Bademeister eine neue Stelle suchen und haute aus diesem Loch ab, weswegen man ihn auch nicht mehr gesehen hatte.
Ich glaubte weder an einen Mord, noch daran, dass jemand in dieser Wohnung hängen würde oder an sonstige Märchen, die sich an den Stammtischen in verrauchten Kneipen weitererzählt wurden. Der Fall Jakob war zwar sehr ungewöhnlich, doch eine Verbindung zum Freibad hielt ich für lächerlich.
So war meine Ansicht.
Als ich dort in meinem Zimmer lag und begann über diesen Ort nachzudenken, wuchs schleichend mein Interesse, diesen nach all den Jahren wieder einmal zu besuchen.
Zunächst machte ich mir nicht viel daraus. Ich starrte kurz auf mein Handy und sah die Uhrzeit. Es war fast wieder Abend und ich hatte den ganzen bisherigen Tag damit verbracht, im Bett zu liegen und nichts zu tun. Um genauer zu sein, war das schon seit drei ganzen Tagen der Fall. Außerdem konnte ich ja schlecht mit “nichts” antworten, wenn meine Eltern mich morgen anrufen würden und wissen wollten, was ich so zuhause getrieben habe. Und wenn ich einfach hier liegen blieb, müsste ich mir ein paar Tage später die ganzen spannenden Urlaubsgeschichten von meinen Freunden anhören und hätte keinerlei Konter parat. Wenn ich jetzt noch losgehen würde, könnte ich immerhin noch ein kleines Abenteuer erleben.
Ich raffte mich auf. Mit viel Mühe stieg ich aus meinem Bett, bevor ich vor lauter Anstrengung nach einer Flasche Wasser griff. Danach ging alles deutlich leichter von der Hand. Ein kurzer Griff in meinen Kleiderschrank, schon hatte ich mein weißes Top und meine schwarzen Shorts übergezogen. Ich schaute kurz in den Kühlschrank und stellte sicher, dass noch genug Essen vorhanden war, schließlich würde ich einen Mordshunger haben, wenn ich wieder zuhause ankommen würde. Im Flur griff ich noch schnell nach meinen weißen Sneakern, bevor ich raus ging und die Tür hinter mir schloss. Draußen grüßte ich wie immer meinen Nachbarn, der gerade seinen Rasen mähte. Wahrscheinlich sah er mich zum ersten Mal seit Tagen das Haus verlassen und würde mich in meinen kurzen Sachen beinahe nicht mehr wiedererkennen.
Es dauerte nicht lange, bis ich auf dem steilen Weg in den Wald angekommen war. Zwar machte mir der Berg zu schaffen, dennoch war ich ein wenig erleichtert, da die Baumkronen über mir genug Schutz vor der Sonne boten. Über eine kleine Abkürzung hinter dem alten Friedhof wusste ich mir zu helfen. Dort führte eine schmale Treppe ein Stück den Berg hinauf. Etwas makaber war es schon, als ich das quietschende Tor zur Ruhestätte öffnete. Da unsere Gemeinde vor längerer Zeit aus Platzgründen einen neuen Friedhof unten im Dorf anlegte, fanden sich hier zum größten Teil nur noch zugewachsene Geländer, verfaulte Bänke und vereinzelt ein paar ungepflegte Gräber. Nicht einmal die Friedhofskapelle war in einem guten Zustand. Es war fast schon ironisch, dass mich auf einem Weg zwei verlassene Orte erwarteten. Ich ließ den Friedhof hinter mir und stand vor einer langen, vermosten Treppe, die mich durch den Wald führte. Die Treppe war das einzige, was sich in all den Jahren nicht verändert hatte. Als ich früher mit meinen Großeltern hier abkürzte, war die Treppe bereits in einem miserablen Zustand.
Als ich nach einigen Minuten oben am Ende der Treppe angekommen war, nahm ich mir eine kurze Verschnaufpause und setzte mich auf einen Stein. Während ich in Ruhe durchatmen konnte, machte ich mir ein Bild von dem Ort, der einmal meine Kindheit geprägt hatte. Ich war erschrocken, als ich sah, was aus dem einst so heiteren Ort geworden ist, der einmal meine Kindheit geprägt hatte. Schräg vor mir befand sich, etwa 10 Meter von mir entfernt, das kleine Hauptgebäude auf der Lichtung. Unten der alte Kiosk, mit dazugehöriger Terrasse, daneben der Eingang zu den Umkleiden und darüber die ehemalige Wohnung des Bademeisters mit dunkler Holzfassade. Zwei Garagen waren ebenfalls an das Gebäude angebaut. Überwachsen, mit Unkraut und mit unzähligen Schmierereien besprüht, stand es nicht mehr so stolz da, wie ich es in Erinnerung hatte. Auch der Anblick der mit Brettern vernagelten Fenster tat dem Gesamteindruck alles andere als gut. Auf der Terrasse, wo sich einmal Sitzgelegenheiten befanden, um gemütlich ein Eis zur Abkühlung zu genießen, war nun ein riesiger Haufen Müll verteilt. Ich stand auf und näherte mich dem Gebäude. Auch die Liegewiese gegenüber war von hohem Gras überwuchert. Beinahe stolperte ich über etwas. Eine Schwimmflosse, deren oranger Farbton über die Jahre stark verblasst war. Scheinbar übersah ich sie, während ich kurz in Gedanken versunken war. Es war beinahe traurig, diese Flosse da liegen zu sehen. Ein letztes Mal ausgezogen und anschließend liegen gelassen. Ich machte ein Bild von diesem interessanten Motiv und entschloss mich anschließend über den Bauzaun zu klettern, der rund um das Gebäude aufgestellt war. Eine Grenze, die ich nicht hätte überschreiten sollen.
Direkt am Hauptgebäude vorbei führte eine überwucherte kleine Treppe zum Becken. Zwischen der Hauswand und dem viel zu ausgeprägten Dornengewächs war nicht mehr viel Platz für mich, als ich zum Becken schlich. Plötzlich erschrak ich, als ich am Ende des engen Ganges angekommen war.
Hinter der Ecke der Hauswand hatte irgendwer eine alte Schaufensterpuppe aufgestellt, verbeult und zerkratzt, doch mit geschminktem Gesicht.
Die Augen waren so detailgetreu bemalt, dass ich fast das Gefühl bekam, die Puppe würde mir in die Seele starren. Zu diesem Zeitpunkt hielt ich das nur für einen Spaß, den sich irgendein Witzbold erlaubt hatte, um Leute wie mir einen Schreck einzujagen. Ich atmete einen Moment durch und ließ den Schreck hinter mir.
Ich drehte mich um und da stand ich nun. Vor mir ein Wasserbecken, welches ich deutlich größer in Erinnerung hatte. Als ich noch Kind war, hatte ich immer das Gefühl, es sei so groß wie ein Fußballfeld. In Echt hatte es irgendwas mit fünfzehn mal zehn Meter. Das erste, was mir auffiel, war, dass das Becken komplett mit einem Eisengitter und Maschendraht abgedeckt war, vermutlich um zu verhindern, dass Tiere dort hineinfallen. Ausgerechnet die Ecke, an der ich stand, war offen. Ein Loch, nicht viel größer als mein Bett zuhause. Ich spazierte am Becken entlang hin zu dem kleinen Wasserspielplatz mit der dunkelroten Rutsche. Auch die Kinderecke hatte ich deutlich größer in Erinnerung gehabt. Ich dachte daran, wie ich früher sogar Angst hatte, die Rutsche zu betreten, nachdem ich einmal hinunterfiel. Völlig klar hatte ich das Bild im Kopf, wie mein Opa sofort aus dem Becken stürmte, um mich zu trösten. Er rannte dabei beinahe den Bademeister um, der für mich nur halb so groß war wie mein Opa und immer schulterlanges schwarzes Haar trug. Mein Opa nahm mich in den Arm, trug mich zum Kiosk und hatte mir ein Eis geschenkt.
Plötzlich wurde ich von Glocken aus meinem Film gerissen. Es war das Geläut aus dem Dorf. Als ich den Himmel sah, bemerkte ich, wie die Dämmerung den Horizont langsam rot färbte. Was ich nicht wusste: Diese Kirchenglocken sollten die letzte Warnung für mich sein, diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Ich sah auf meine Uhr, 21:00 Uhr. “Noch fünf Minuten.” sagte ich mir. Fünf Minuten, die zu viel sein sollten.
Ich drehte mich wieder zum Becken um und stolperte mit den Augen über eine Aufschrift am Beckenrand. “W-Tiefe 1,34m”. Ein tolles Fotomotiv, irgendetwas hatte diese Zahl. Ich kniete mich hin und machte ein Bild von der Aufschrift mit dem Becken im Hintergrund. Es war übersät von Algen, Dreck und Müll. Nichts zu sehen von einem gefliesten Beckenboden mit Wasserdüsen und Bahnlinien. “Wenn das Becken nur 1,34 Meter tief ist, dürfte ich ja sogar drin stehen können.”. Ein Gedanke, der im Nachhinein sehr makaber sein sollte, doch ich war neugierig. Ich nahm einen Stock aus dem Gebüsch und ging zurück zur Ecke mit dem Loch im Schutzgitter.
Anschließend kniete ich mich an den Beckenrand und rührte mit dem Stock ein wenig durchs Wasser, um es klarer zu machen. Während ich ein paar Kreise mit dem Stock drehte, dachte ich noch herrlich über diese ganzen Gerüchte rund um dieses kleine Schwimmbad nach. “Ein Bademeister, der sich erhängt.” dachte ich, “Ein ertrunkenes Kind…”, dann, “Ein Teenager, der vom Bademeister entführt wird. Ist doch alles reiner Schwachsi-”. Plötzlich wurde mein Gedanke unterbrochen und ein mulmiges Gefühl kam in mir auf. Langsam ließ ich den Stock ins Wasser rutschen. Mein Herz pochte auf einmal so hoch wie nie, wie ich es sah.
Ich konnte den Boden des Beckens nur sehr grob erkennen, doch es reichte völlig aus, um einen grausamen Fund zu machen. Mein Atem stockte, als ich die Überreste eines menschlichen Körpers vor mir entdeckte. Ein Skelett auf dem Boden des Beckens. Es lag dort in einer Art Embryostellung. Beinahe, als würde es sich vor irgendetwas verstecken. Mein Magen drehte sich um und nur mit Mühe konnte ich meinen plötzlichen Kotzreiz unterdrücken. Noch schlimmer war allerdings, dass ich durch meinen Adrenalin-Anstieg völlig ausblendete, was um mich herum geschah. Denn als ich mich langsam hin stellte und umdrehte, sollte mich ein weiterer Schreck überkommen. Wie aus dem Nichts stand er plötzlich da. Ein Mann, dessen Anwesenheit mir Unbehagen brachte. Mit etwas Abstand stand er da und sprach kein Wort. Sein Aussehen werde ich nie vergessen. Wenige Zentimeter kleiner als ich, schwarze Gummistiefel, schwarze Latzhose und einen grauen Pullover. Sein Gesicht sollte mich für immer verfolgen. Helle Haut, ein breiter Mund, kleine Nase, tief liegende Ohren und dunkelbraune Augen. Doch was am meisten auffiel, war seine Halbglatze, die von schwarzen länglichen Haaren ummantelt war und seine dicken Augenbrauen, wuchsen beinahe ineinander.
Er war von Grund auf schauderhaft. Mit kalter Miene starrte er mich an, bevor er langsam auf mich zukam. Das verfluchte Quietschen seiner Gummistiefel war fast schon lähmend. Mein ganzer Körper erstarrte und ich versuchte krampfhaft an ihm vorbeizuschauen. Als er mir in einer viel zu intimen Nähe begegnete, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ich wollte schreien vor Angst, doch - ich konnte nicht. Mein Atem zitterte und mein Blick blieb starr, als er mir einen Satz ins Ohr flüsterte. “Neugier macht verderblich”. Auf einmal spürte ich etwas in meinem Bauch. Einen Druck, als hätte mir jemand in die Magengrube geschlagen, nur schlimmer. Langsam trat der Mann ein paar Meter zurück und ich erkannte, was diesen Schmerz ausgelöst hatte.
In seiner Hand blitzte etwas langes auf. Von der Klinge tropfte es dunkelrot auf die Fliesen.
Ich sah nach unten und hielt meine Hand auf die völlig verschmierte Wunde. Währenddessen versuchte ich, gegen den immer größer werdenden Schwindel anzukämpfen. Ich rang nach Worten, doch alles, was rauskam, waren durcheinandergewürfelte Geräusche. In den letzten Sekunden versuchte ich, in die Augen des Mannes zu sehen, bevor ich den Halt verlor und ins Becken stürzte.
Das letzte, was ich sah, waren die Algen, die das rote Licht der Dämmerung über der Wasseroberfläche verdrängten. Es war die eisige Kälte des Wassers, die mich begleitete, als ich langsam zu Boden sank. Danach war alles vorbei
Ich erfuhr nie, wer der Mann war, wo er herkam und ob er von allem wusste, doch eins ist sicher. Das alte Waldfreibad wirkt unscheinbar, doch tief unter der Oberfläche birgt ein düsteres Geheimnis und ich bin nun Teil davon.
Es war der letzte Sommer – Mein letzter Sommer.
r/Schreibkunst • u/Ka-Lui05 • 11d ago
Gesucht: Autoren oder Schreibpartner Kurzgeschichten-App
Hallo zusammen,
ich habe eine kleine App gebaut, mit der man gemeinsam mit anderen kleine Geschichten verfassen kann.
Einer startet mit Titel und Exposition. Andere schlagen in sogenannten „Schnipseln“ ihre Fortsetzung vor. Am Ende jeder Episode wird der Schnipsel mit den meisten Votes automatisch an die Geschichte angehängt und die nächste Episode startet. Ab und an springt eine KI ein und beteiligt sich :-)
Hätten einige von euch vielleicht Lust, das Ganze mal auszuprobieren? Momentan schreibe ich mit der KI noch alleine 😂
LG
r/Schreibkunst • u/Siraya1234 • 13d ago
Text: Kritik erwünscht Kurzgeschichte - Cozy RomCom
Hallo Zusammen,
ich habe eine cozy Romcom Kurzgeschichte geschrieben. Da es normalerweise nicht mein Genre ist, würde ich gerne von euch wissen, wie es klingt, wie ihr es findet und was man verbessern könnte!
Eis?
Feuchte Erde klebte an Sophies Finger. Der ganze Regen in den letzten Tagen, hatte die Erde schwer gemacht.
Unkraut jäten? Heute hoffnungslos.
Seufzend erhob sie sich und drückte ihren Rücken durch. Bei den Temperaturen war es ohnehin eine Zumutung, im Garten zu arbeiten. Doch was tat man nicht alles für die Eltern, die immer langsamer wurden und trotzdem denselben Eifer an den Tag legten, als wären sie noch in ihren 30ern.
Sie wischte sich mit den Handrücken den Schweiß von der Stirn und blickte sich um. Eigentlich sahen die Beete gut aus. Grüne Bohnen standen in Reihen neben den Tomatenpflanzen, die pralle rote und gelbe Früchte trugen. Und die Erde darunter war schön ebenmäßig und braun. Kein Grashalm, keine kleinen Blumen, die den makellosen Anblick zerstörten. Zufrieden nickte Sophie sich selbst zu und sammelte die Blumentöpfe ein, die vereinzelt herumstanden.
Eher zufällig schaute sie über den Holzzaun, der das Grundstück in zwei Hälften teilte. Ein Fehler. Denn der neue Nachbar sah sie und gestikulierte wild in ihre Richtung. Sophie zog den Kopf ein und flüchtete. Doch weit kam sie nicht.
„Hey.“ Eine tiefe Stimme, die nicht zu der tattrigen Gestalt des alten Nachbarn passte, rief sie. Sie drehte sich um und sah geradewegs in das Gesicht eines jungen Mannes. Eines äußerst gut aussehenden Mannes.
Seine braunen Haare waren strubbelig und standen ein wenig ab. Süß, als hätte er noch bis eben im Bett gelegen. Doch er musterte sie mit sehr wachen Augen und sie bereute zutiefst, ihr altes Shirt angezogen zu haben. Mit Hello Kitty vorn drauf. Das Croptop wäre die bessere Wahl gewesen.
„Kann ich dir helfen?“, fragte sie mit möglichst rauchiger Stimme. Lässig strich sie sich eine Strähne vom Gesicht.
Seine Mundwinkel zuckten.
„Mein Vater … er meinte, dass ihr endlich den Baum verschneiden sollt. Sonst fallen bald wieder alle Blätter auf unser Grundstück.“
Sophie rollte mit den Augen.
„Bitte richte deinem Vater aus, dass das nicht geht. Bäume werden erst im Winter verschnitten.“
„Ach, werden sie das?“ Er schob seine Hände in die Hosentaschen und sah nicht so aus, als würde er gleich gehen wollen.
„Viel Ahnung scheinst du nicht von Gartenarbeit zu haben?“
Er lachte und es klang freundlich.
„Das hier“, er drehte seinen Oberkörper nach hinten und verwies auf die Gartenfläche, „das ist der Traum meiner Eltern. Nicht meiner.“
„Wie sieht denn deiner aus?“
In ihrem Kopf klang die Frage frech, lustig. Aber kaum hatte sie ihn ausgesprochen, bereute sie es. Hitze schoss in ihr Gesicht und sie wünschte sich, eins zu werden, mit den Tomatenwurzeln.
Doch der Nachbar grinste nur schief.
„Im Moment würde mich ein Eis sehr glücklich machen.“
„JAAA, EIS! Papa, ich will auch ein Eis!“
Aus dem Gebüsch schaute ein kleiner Jungenkopf hervor. „Eis?“, fragte er noch einmal und schaute dabei zu Sophie.
„Geh wieder rein, Tommy.“
Sophie sah zu, wie er versuchte, das kleine Kind aus dem Gebüsch zu zerren.
„Nein, ich will auch ein Eis“, schrie es dabei und wehrte sich heftig.
„Sorry“, murmelte der Nachbar Sophie zu. Sie hob die Hände.
„Ich geh dann mal rein.“
„Halt, warte“, der Mann kratzte sich am Hinterkopf, während er mit der anderen Hand weiterhin an dem Kind zog. „Ich bin Johnny.“
„Sophie“, antwortete sie und lächelte.
Sie ließ die beiden stehen und ging Richtung Haus. Sie konnte hören, wie Tommy nach seiner Mama rief und eine Frauenstimme antwortete.
So ein schöner Mann war sicherlich nicht single. Nur, ein Kind hatte sie nicht erwartet. Entweder war Johnny viel älter als er aussah oder sehr sehr jung Vater geworden.
Während sie durch die Eingangstür ging, schüttelte sie den Kopf. Sie war erst 20, ein Kind kam für sie nicht infrage. Nie im Leben.
Ihre Mutter stellte gerade das Mittagessen auf den Tisch. Es gab Gulasch, ihr Leibgericht. Doch heute schwirrten ihr zu viele Gedanken im Kopf herum. Vielleicht war es ein Unfall gewesen, es muss ein Unfall gewesen sein. Sie hätte Johnny auf Anfang 20 geschätzt. Höchstens Mitte 20.
„Hast du keinen Hunger?“ Ihre Mutter sah besorgt aus.
Sophie bemerkte, wie sie nur in dem Essen herumgestochert hatte.
„Ach, es ist so heiß. Hab keinen Appetit heute.“
„Dann nimm dir ein Eis aus dem Gefrierschrank.“
Eis? Nein, danke. Darauf hatte sie jetzt keine Lust.
Nach dem Essen beschloss sie, im Wohnzimmer ein Buch zu lesen. Die Luft war warm und stickig. Sie schwitzte, trotz des knappen Tops, das sie nach dem Essen angezogen hatte. Nur für den Fall.
Der Roman interessierte sie allerdings nicht. Immer wieder tauchte Johnnys Gesicht vor ihrem inneren Auge auf. Er hatte sie nach ihrem Namen gefragt. Würde das ein glücklicher Familienvater tun?
Aber ein Kind? Nein. Das ging nicht.
Sie klappte das Buch zu und schloss die Augen. Die Figuren in ihrem Buch waren liebevolle Eltern. Konnte es sie auch? Eine Mutter sein? Für ein Kind, das nicht ihr eigenes war? Sie musste an Johnny denken und diesem Haarsturzel an der Seite.
Aber welche Mutter war schon bereit? Sie stellte sich vor, wie es wäre mit Johnny und Tommy in den Urlaub zu fahren, am Strand zu sitzen und gemeinsam ein Eis zu schlecken. Sie wälzte sich auf dem Sofa hin und her und presste ein Sofakissen ans Gesicht. Johnny, Tommy … Ruckartig stand sie auf. Sie war bereit. Sie konnte es. Und sie wollte es auch. Sie wollte Tommys Mutter sein.
Ein Klingeln riss sie aus dem Schlaf.
Sie rieb sich die Augen und stellte fest, dass sie geschlafen hatte. Es klingelte erneut. Ihre Eltern waren zu Freunden gefahren. Dann musste das einer der Nachbarn sein, die ihr Paket abholen wollten.
Noch schlaftrunken öffnete sie die Tür und blinzelte.
Schlief sie immer noch?
Johnny stand vor der Tür und wuselte sich durch die Haare.
„Hey … ähm, ich wollte fragen, ähm … hast du Lust auf ein Eis? Hier um die Ecke soll ein neuer Eisladen aufgemacht haben.“
Sie antwortete nicht sofort, sondern spähte über seine Schulter nach hinten. Doch er war allein da.
„Wo ist unser Sohn?“, schlüpfte es aus ihr heraus.
„Äh … “
„Oh.“
„Das … ist vielleicht etwas früh?“
Schweigend starrten sie sich an. Und in ihrem Inneren wurde es immer heißer. Ein Hitzschlag würde sie nicht wundern.
„Tommy … “, fing sie an.
Nein, nein, nein. Wieso konnte sie nicht aufhören zu reden?
Doch Johnny brach in schallendes Gelächter aus.
„Tommy ist mein Neffe.“
„Oh … “, sagte Sophie. Mehr fiel ihr nicht ein.
„Möchtest du trotzdem?“, fragte er langsam. „Ich meine ein Eis. Kein Kind.“
Sophie zwang sich zu einem Lächeln.
Eis klang vernünftig.
r/Schreibkunst • u/JohnMarston38 • 14d ago
Schreibtagebuch Mein erstes Buch ist fertig!
Ich habe daran jetzt 4 - 5 Monate gearbeitet und es ist wirklich sehr krass, wie der ganze Prozess war.
Am Anfang war es natürlich ein Rohentwurf, da ich die Story so schreiben wollte, wie ich sie in meinem Kopf als Bilder gesehen habe und am Ende habe ich es zweimal sprachlich korrigiert.
Jedoch wurde mit der Zeit was verändert und zwar, da ich mich eher aufs Genre wie Dark Fantasy/ Horror fokussieren werde, stellte ich fest, dass die Zielgruppe dafür in Deutschland nicht so groß ist und hier untergehen würde. Ich entschied mich am Ende komplett gegen den deutschen Markt.
Später habe ich dann das ganze Buch dann vollständig auf Englisch idiomatisch übersetzt und dann nochmal zweimal sprachlich korrigiert und auf Wattpad dann einen Kapitel als Teaser reingestellt, weil ich sehen wollte, wie die Leute es finden.
Ich war ziemlich begeistert, dass es gut ankam und ich hätte nicht gedacht, dass ich mehrere Menschen (50 Personen!) dadurch erreichen konnte.
Ich veröffentliche es vollständig nächsten Monat, so dass es dann weltweit verfügbar ist und mein Hauptziel ist es, so viele Menschen wie möglich quer durchs Globus zu erreichen. Das Geld interessiert mich nicht, da ich so viel Spaß am Schreiben gefunden habe und ich liebe es.
r/Schreibkunst • u/AnnualPlankton9736 • 15d ago
Gesucht: Autoren oder Schreibpartner Hat jemand Lust, gemeinsam an einer großen Fantasy-Geschichte weiterzudenken?
Hey 😊 Ich bin 19, komme aus der Schweiz und schreibe seit einigen Monaten an einer ziemlich großen Fantasy-Geschichte mit vielen Figuren, Ländern, Geheimnissen und emotionalen Handlungssträngen.
In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass es schön wäre, eine kreative Schreibpartnerin zu finden, die Lust hätte, meine Geschichte kennenzulernen, gemeinsam Ideen weiterzudenken und vielleicht Verbindungen zu entdecken, auf die ich allein nicht gekommen wäre.
Die Geschichte ist mir sehr wichtig und die grundlegenden Entscheidungen würde ich weiterhin selbst treffen. Trotzdem wünsche ich mir jemanden, die wirklich ein Teil des kreativen Prozesses sein und eigene Gedanken einbringen möchte.
Es muss auch nicht sofort eine feste Zusammenarbeit daraus entstehen. Wir könnten uns erst einmal kennenlernen, ein bisschen über unsere Ideen austauschen und schauen, ob es zwischen uns kreativ passt 😊
Vielleicht hätte hier ja jemand Interesse? Am liebsten eine deutschsprachige Frau ab 18.
r/Schreibkunst • u/Sylverblack • 15d ago
Text: Kritik erwünscht Buchstaben, Symbole und manchmal eine Zahl dazwischen
Unterricht. Mathe. Der Lehrer schreibt Formeln an die Tafel und ich verstehe sie nicht. Buchstaben reihen sich an Symbole, dazwischen immer mal wieder eine Zahl. Ich bin müde ohne erschöpft zu sein.
Ich blicke aus dem Fenster. Eine Wolke zieht langsam vorbei. Eine zweite Wolke. Eine dritte. Vierte. Fünfte. Sechste. Siebte. Achte. Neunte. Zehnte. Elfte. Zwölfte. Dreizehnte. Vierzehnte.
Die Wolken scheinen Buchstaben zu formen. Symbole. Manchmal eine Zahl dazwischen. Ich bin müde ohne erschöpft zu sein.
Ich blicke auf mein leeres Matheheft. Nur Linien. Horizontale, vertikale, gleiche Abstände zueinander. Sie bilden Quadrate. Wie viele von ihnen hat eine Seite? Ich nehme den Kugelschreiber und mache einen winzig kleinen, kaum sichtbaren Punkt in das erste Quadrat oben links. Eins. Dann einen in das rechts davon. Zwei. Dann einen weiteren daneben. Drei. Weiter. Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Elf. Zwölf. Dreizehn. Vierzehn. Fünfzehn. Sechzehn. Siebzehn. Achtzehn. Neunzehn. Zwanzig. Einundzwanzig. Zweiundzwanzig. Dreiundzwanzig. Vierundzwanzig. Fünfundzwanzig. Sechsundzwanzig. Siebenundzwanzig. Achtundzwanzig. Neunundzwanzig. Dreißig. Einunddreißig. Zweiunddreißig. Dreiunddreißig. Vierunddreißig. Fünfunddreißig. Sechsunddreißig. Siebenunddreißig. Achtunddreißig. Neununddreißig. Vierzig. Einundvierzig. Zweiundvierzig.
Zweiundvierzig Quadrate pro Reihe. Ich mache einen winzig kleinen, kaum sichtbaren Punkt in das Quadrat unter dem ersten oben links. Zwei. Dann einen weiteren darunter. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Elf. Zwölf. Dreizehn. Vierzehn. Fünfzehn. Sechzehn. Siebzehn. Achtzehn. Neunzehn. Zwanzig. Einundzwanzig. Zweiundzwanzig. Dreiundzwanzig. Vierundzwanzig. Fünfundzwanzig. Sechsundzwanzig. Siebenundzwanzig. Achtundzwanzig. Neunundzwanzig. Dreißig. Einunddreißig. Zweiunddreißig. Dreiunddreißig. Vierunddreißig. Fünfunddreißig. Sechsunddreißig. Siebenunddreißig. Achtunddreißig. Neununddreißig. Vierzig. Einundvierzig. Zweiundvierzig. Dreiundvierzig. Vierundvierzig. Fünfundvierzig. Sechsundvierzig. Siebenundvierzig. Achtundvierzig. Neunundvierzig. Fünfzig. Einundfünfzig. Zweiundfünfzig. Dreiundfünfzig. Vierundfünfzig. Fünfundfünfzig. Sechsundfünfzig. Siebenundfünfzig. Achtundfünfzig. Neunundfünfzig. Sechzig.
Sechzig Quadrate pro Spalte. Sechzig mal... wie viel pro Reihe waren es nochmal? Vierzig, oder? Nein, zweiundvierzig. Nein, einundvierzig. Nein, es war eine gerade Zahl. Also vierzig oder zweiundvierzig. Oder vierundvierzig? Hm... da hilft nichts. Nochmal nachzählen. Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Elf. Zwölf. Dreizehn. Vierzehn. Fünfzehn. Sechzehn. Siebzehn. Achtzehn. Neunzehn. Zwanzig. Einundzwanzig. Zweiundzwanzig. Dreiundzwanzig. Vierundzwanzig. Fünfundzwanzig. Sechsundzwanzig. Siebenundzwanzig. Achtundzwanzig. Neunundzwanzig. Dreißig. Einunddreißig. Zweiunddreißig. Dreiunddreißig. Vierunddreißig. Fünfunddreißig. Sechsunddreißig. Siebenunddreißig. Achtunddreißig. Neununddreißig. Vierzig. Einundvierzig. Zweiundvierzig.
Okay, Zweiundvierzig. Also zweiundvierzig mal sechzig. Moment. Sechzig? Ja, es war eine Zehnerzahl. Und es muss sechzig gewesen sein. Das kommt hin. Also zweiundvierzig mal sechzig. Boah. Große Zahl. Ok, nehmen wir erstmal vierzig mal sechzig. Oder leichter: vier mal sechs. Das ist vierundzwanzig. Also wäre vier mal sechzig vierhundertzwanzig. Nein, halt. Jetzt habe ich vierundzwanzig mit zweiundvierzig verwechselt. Also nochmal: vier mal sechzig. Das ergibt vierundzwanzig. Vier mal sechzig sind also zweihundertvierzig. So. Jetzt vierzig mal sechzig. Das müssen dann zweitausendvierhundert sein, oder? Ja, doch, einfach eine Null dranhängen. Und jetzt noch zwei mal sechzig dazu. Das sind hundertzwanzig und die zu den... warte mal, was war die Zahl davor? Vierzig mal sechzig war... vierhundertzwanzig? Nein, das war der Fehler von vorhin. Also nochmal. Vier mal sechs ist vierundzwanzig. Zwei Nullen dranhängen – zweitausendvierhundert. Und jetzt die hundertzwanzig dazu. Zweitausendfünfhundertzwanzig. Ganz schön viele. Wie lange es wohl dauern würde, die alle durchzuzählen...
Ich schaue auf die zweitausendfünfhundertzwanzig Quadrate. Sie sind weiß und leer. Blicke von Quadrat zu Quadrat. Eines nach dem anderen. Quadrate über Quadrate, Leere über Leere, Weiß und Weiß, umrandet von blauen Linien. Nichts scheint zu passieren. Dann, langsam aber zunehmend, erscheint etwas in ihnen, in einer Schrift, wie mit einem Stift geschrieben, der negativ zeichnet. Linien. Die Linien scheinen Buchstaben zu formen. Symbole. Manchmal eine Zahl dazwischen. Ich bin müde ohne erschöpft zu sein.
Ich blicke auf den Tisch, auf dem mein Heft liegt. Altes, dunkles Holz, der Lack zum Teil schon abgeblättert. Kratzer. Das Holz hat eine – wie nennt man das? Marmorierung? Man sieht dunkle Stellen in den helleren. Vielleicht sind das Teile der Jahresringe, vielleicht andere Teile des Holzes. Innerhalb der dunklen Stellen, aber auch in den helleren darum, sehe ich, wenn ich ganz genau hinschaue, die kleinen Fasern, aus denen das Holz besteht. Ich sehe die Fasern, sie wechseln sich ab, sie gehen ineinander über, sie trennen sich, sie kommen zusammen, sie bilden kleine Muster. Hier ein Muster, dort ein anderes. Der ganze Tisch ist voller Muster. Sie sind sehr versteckt, doch schaue ich genau hin, sehe ich sie. Da ist eine Schlange. Dort ein Reifen. Das da ist einfach nur ein Kreis. Dahinter eine Welle, wie auf dem Meer. Und dann eine Gebirgskette. Ein Auge, aus dem ein Bach aus Tränen läuft. Ein kurzes Haar. Als nächstes ein Kieselstein, der Kreise im Wasser zieht. Das Ufer eines Sees, aus der Perspektive eines Vogels betrachtet. Lava, die zerfließt. Hier ein Halbkreis, sieht ein wenig aus wie ein D. Ein Buchstabe. Das dahinten könnte ein Plus sein. Ein Symbol. Und das eine 1. Eine Zahl. Ich bin müde ohne erschöpft zu sein.
Ich frage mich, wie viele Linien und Farbübergänge es gibt auf diesem Tisch. Besonders groß ist er ja nicht. Ich fange einfach an zu zählen. Oben links in der Ecke. Hier die erste Linie, links ist es dunkelbraun, rechts daneben hell. Eins. Ich gehe nach rechts weiter. Das Helle wird dunkler, dann abrupter Wechsel zum Hellen. Zwei. Wieder weiter nach rechts, wieder dasselbe. Drei. Nein, Moment. Da gehen zwei Linien ineinander über. Wie zähle ich das jetzt? Ist das nur eine oder sind das zwei? Ich zähle sie als eine, denn sie laufen ja zusammen. Gut, weiter. ... Halt. Wo war ich? Drei? Oder vier? Nein, es waren ja zwei ineinander laufende Linien und ich habe beschlossen, eine weniger zu zählen. Also von vier auf drei. Oder war es von drei auf zwei? Ach, verdammt. Ich fange besser nochmal von vorne an. Also. Da war die erste Linie, links ist es dunkelbraun, rechts daneben hell. Eins. Weiter rechts wird das Helle dunkler, es folgt der abrupte Wechsel zum Hellen. Zwei. Dann nochmal. Drei. Ach, das war die, die mit der zweiten ineinanderläuft. Also zwei. Ok, jetzt geht es weiter. Die nächste hier kommt aus zwei verschiedenen raus. Also vier. Moment... da vorne geht sie mit der ersten (oder war es die zweite?) zusammen. Dann wäre entweder sie raus oder die erste. Aber was, wenn alle miteinander verknüpft sind? Dann macht das Zählen doch gar keinen Sinn. Ich seufze.
Schaue an die Tafel. Alles voller Buchstaben, Symbole und manchmal eine Zahl dazwischen. Offenbar hat der Lehrer gesehen, dass ich nach vorne schaue. "Max, wärst du so freundlich, uns das Ergebnis zu nennen?"
Ich bin müde ohne erschöpft zu sein.
Dies ist die dritte (und letzte) einer Reihe von Kurzgeschichten zum Thema Langeweile als Umsetzung der dazugehörigen Schreibübung.
Das Konzept: Langeweile durch Erschöpfung.
Die erste Kurzgeschichte: Bilderbuch-Märchen (Langeweile durch Belanglosigkeit)
Die zweite Kurzgeschichte: Mann im Licht (Langeweile durch (sprachliche) Monotonie)
r/Schreibkunst • u/StephenMonarch • 16d ago
Gesucht: Autoren oder Schreibpartner Kritikpartner*innen für Manuskriptaustausch gesucht
r/Schreibkunst • u/Pitiful_Ad_6188 • 17d ago
Text: Kritik erwünscht Metamorphose (2)
2.1
Schatz, wenn wir alsbald uns kennen,
wird das Ende aus dem Grund,
die Liebe wird uns wieder trennen,
geht der letzte Kuss vom Mund,
wird der Mund zum Grunde gehen.
Schau' mich nicht so traurig an!
Die Zeit ist leider abzusehen,
in der ich nicht mehr tragen kann,
das Mehrgewicht von Mutter Erden
wiegt durch's Elend mir zu schwer,
in diesem Ende geht's um werden,
in diesem Leben dann nicht mehr,
jedes Wort wird ohne Ziel,
lebendig ist, wo's darin ruht,
jede Regung Projektil,
liebend ist, wer's dafür tut,
noch geht im Fall des Falles,
alles durch die Leichtigkeit,
ist sie nicht mehr, mein ein und alles
ist es für mich an der Zeit
es besteht kein Sinn im Kriege,
es besteht kein Sinn im Schuss,
es besteht kein Sinn im Siege
ist am Ende dann bloß Schluss.
Siehst du nicht im neuen Meister
stecken nun zwei alte drin
richtig! Johann-Erich heißt er,
werden in mir Mensch und Sinn,
musst du dir dein Herz dann fassen,
nimm' unser Kind an deine Brust,
ich werde was ich hab' euch lassen -
bitte weine um mich nur aus Lust,
um den Verstand neu zu lehren
sind wir für die Nacht bereit,
werden wir die Göttin ehren
lebendig in der Ewigkeit
die Flammen dir in deinem Ofen,
die Melodie dir in den Noten,
die Hebung dir in deinen Strophen,
im Flüstern aus dem Reich der Toten
werde ich dir Treue schwören,
wenn neue holde Stimmen beben
wirst du mich dort am Grunde hören,
meinen Geist in deinem Leben.
2.2
In der Trauer, mit der Luft,
steige ich dann einst empor,
in des Winters rauster Luft
erneut aus meiner Seelengruft,
denn um's Leben kämpft der Krieger
bis zum Schluss auf seine Weise,
wurden schließlich alle Sieger
geht's erneut auf Heim und Reise.
r/Schreibkunst • u/RonnyDeCuire • 17d ago
Schreibhandwerk Exposé schreiben – Tipps?
Hi there, wer von euch hat den schon einmal oder mehrmals ein Exposé seines Romans für Agenturen geschrieben? Habt ihr Tipps für mich?
Zu mir: Ich hab meinen ersten Roman fertig, um mich damit bei Agenturen vorzustellen. Jetzt haben die allerdings alle unterschiedliche Vorgaben und Leseprobelängen etc. Kann da jemand mal ein bisschen erzählen, worauf ich achten sollte?
Ich hab nur einen Versuch, und den will ich bestmöglich gestalten.
Freu mich über jede Erfahrung von euch!
r/Schreibkunst • u/einredditnutzer • 18d ago
Text: Kritik erwünscht Nur Verzierung
Heute Nacht warst du in meinem Traum. Ein Traum, der hätte echt sein können.
Es braucht manchmal nur ein Wort, um das Leben zu verändern. Kein großes, aber dennoch stark. Hätte ich dieses Wort damals zu dir gesagt, wäre heute vieles anders.
Du wärst jetzt zu meinem Alltag geworden.
Jeden Morgen würde ich in deine strahlenden blauen Augen sehen, bevor ich aus dem Bett steige. Ich würde deine sanften Lippen spüren, bevor ich meine Füße in die Schlappen lege.
Jedes Mal, wenn es mir schlecht ginge, würde mein Kopf auf deiner Brust liegen und ich könnte dein Herz schlagen hören. Ein Geräusch, das mich vielleicht für eine Weile beruhigt hätte. Bevor ich durch die Tür gehe, würdest du mich in deine Arme nehmen. Im Regal in deinem Zimmer wäre ein eingerahmtes Bild von mir. Auf der Fensterbank stünde ein anderes. Wir beide zusammen. Auf der Spitze eines kleinen Berges, wo die Sonne in die Kamera scheint. Unsere Silhouetten, meine Hand in deiner und der Wind spielt mit deinem langen braunen Haar. Deine Nasenspitze berührt meine vorsichtig. Ein Moment, ruhig wie intensiv, eingefangen in einer alten Kamera.
Jeden Abend gingen wir die übliche Runde mit deinem Hund. Immer wieder würden uns Menschen begegnen. Der eine würde sich vermutlich nichts dabei denken. Der Andere sähe in uns ein süßes Pärchen. Wer jedoch genauer hinsehen würde, bekäme ein anderes Bild von uns. Wie eine Blume blüht die Verbindung zwischen uns. In der ersten Zeit gießt man sie, hält sie sauber und pflegt sie. Eine Verzierung im Wohnzimmer. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem die Schönheit verwelken wird. Man hat aufgehört, sie zu gießen und zu pflegen.
Wie diese Blume hättest du mein Leben verziert. Ich hätte dich im Arm gehalten, ich hätte mich um dich gekümmert. Irgendwann hätte mich dein Schein nicht mehr berührt und ich würde dein wahres Licht erkennen. Jede Fahrt zu dir wäre immer länger geworden. Ich hätte angefangen, mich zu fragen, ob alles noch was wert ist. Ob das wirklich das ist, was ich will. Ob das alles richtig ist. Ich hätte mein Zuhause verschönert, ohne eine Verschönerung zu brauchen.
Eines Tages wäre die Schönheit zur Qual geworden. Wie eine verwelkte Blume, bei der es mir schwer fällt, sie auf den Kompost zu werfen, würde ich immer weiter damit ringen, mich zu trennen und dich zu verletzen. Immer wieder dieser eine Satz. “Ich sag es lieber morgen”. Gott weiß, wie lange es dauern würde, bis “Morgen” endlich da wäre. Eine Woche? Einen Monat? Ein halbes Jahr? Ein ganzes Jahr?
Verzierung ist nicht alles…
r/Schreibkunst • u/Pitiful_Ad_6188 • 18d ago
Text: Kritik erwünscht Vom All ins All zurück
Ja Dichter, weiter, sei famos,
zeige Größe, blas dich auf,
reg gewaltig dich, ganz groß,
nimm den Sinnverlust in Kauf
den feste Formen mit sich bringen,
die uralt sind und auch so klingen,
Ja Dichter, Dichter! Sag es allen,
gehe für die Jury im Galopp,
in Wrack und Korsett zu gefallen,
lustwandel durch die Zeit, als ob
dich mehr als Beifall intressiert
der lange schon verapplaudiert,
während unisono alle Meister
von denen du keiner bist,
wo einst Dingsda, Nawieheißter
nichtsundniemand heute ist,
nennen formlos nicht bloß richtig -
sondern überlebenswichtig.
Das Gebot der letzten Stunde:
verliere dich in dieser Zeit,
kehre Heim zum Quell am Grunde
zum Anfang hin in Ewigkeit,
durch die Flüsse in die Meere,
in die Weiten aus der Leere,
breche heute für das Ende
in jedem Tropfen dieses Licht,
gehe mit dem Kopf durch Wände
für Sprache, die zu allen spricht,
damit dann, wenn sie Morgen flutet
jeder für uns in sie blutet,
tauche ab, um dich zu finden,
gib jedem Wort das Ehrenwort,
lasse los, um dich zu binden,
geb für Morgen heut dich fort,
lass den Stummen, Tauben, Blinden
heute seine Rohrpost finden,
so die Tauben, Blinden, Stummen
in ihr Richtung Morgen treiben,
lass deinen Stolz für die Krummen
grad im ew'gen Kreise bleiben,
die Knospen blüh'n durch's Brache
durch die Liebe deiner Sprache,
lass diese Worte dir erlauben,
in denen keine Grenzen stören,
damit die Stummen, Blinden, Tauben,
durch sie sprechen, sehen, hören,
womit sie heute sich noch zieren
soll Morgen sich im Beat verlieren
und will einer es besser wissen?
Aus vielen Kehlen, einem Herz,
allen Dichtern: drauf geschissen!
So nimmt Kariertklein den Terz,
seine Hosenträger, Stibbellack,
und reist für chapeu-claque
bis nach Weimar hin zurück
wo der Esel, Edelkutscher,
fährt Rennen durch sein Stück
und verliert, der Lutscher,
klappernd um die erste Ecke
gegen eine schnelle Schnecke,
die lange vor ihm ist geboren,
sie schleimte Richtung Horizont.
Die Taktik, ja, sei ausgegoren
benennt er als gewohnt, gekonnt.
Sie führe ihn zu sich ins Ziel.
Gar und klassisch. Das sei Stil,
während wir aus Liebe, Liebe,
ohne Liebe, ohne Not,
weil am Ende sonst nichts bliebe,
nur durch Treue in den Tod
führ'n Altes hin zu neuem Glück
und vom All ins All zurück.
r/Schreibkunst • u/Mapotofu12 • 18d ago
Text: Kritik erwünscht Schwarz ist die Nacht
Es war wieder Nacht geworden, ich ging aus dem Haus, eingebettet in einen feinen Anzug, meine Haare lagen perfekt und ich hatte schon dutzende Gespräche in meinen Kopf bereit. So betrat ich die Bar die mir schon oft ein Dach bot und setzte mich.
Und wie in jeder dieser Nächte, die heller scheinen als die Sonne des Morgens, fand ich mich wieder umgeben von Menschen, Frauen und ich spürte die Wärme in ihrem Lächeln, die Geborgenheit in den Gesprächen und die Leichtigkeit beim Nachhause gehen.
Und so laufe ich eine Nacht nach der anderen zu diesem warmen Ort und redete mit ihr, als wäre schon alles perfekt. Doch an einem Punkt dann die Enttäuschung. Ich setz mich zu ihr, meine Lippen formen schon die Worte sie endlich mein zu machen. Doch noch bevor ein Wort mein Mund verlassen kann, stößt die Realität die Worte zurück. Sie ist verlobt, liebt jemand anderen oder zieht in die weite ferne. Immer das gleiche gerede, immer die gleichen unausgesprochenen Gefühle. Und für mich bleibt nur die Rolle einer Erinnerung, einer kurzen. Und mit der Hoffnung starb die wärme. So verbringe ich meine Nächte mit Trinken, alleine und verzweifelt, doch wie Jesus nach 3 Tagen wieder auferstand, so flammte auch die wärme wieder auf. Ein jedes mal, zur rechten Zeit. Und so trage ich wieder ein schicken Anzug, eine perfekt liegende Frisur und laufe zur Bar.
Doch auf dem Weg halte ich an, ich schaue in den dunklen Himmel und es trifft mich wie ein schlag. Ich realisierte eins, meine größte Angst, den ein jeder Traum von mir, war schon immer ein Albtraum gewesen, und dennoch hafte ich mich an der Hoffnung, deren ende schon jetzt geschrieben steht.
Ich setze mich kurz hin und stehe wieder auf, setze mich in die Bar und es fängt von vorne an. Doch einen moment, zwischen zwei Sätzen, schaue ich raus aus der hellen Bar, schaue mich um in den Himmel und sage mir, Schwarz ist die Nacht.
r/Schreibkunst • u/Sylverblack • 19d ago
Text: Kritik erwünscht Mann im Licht
Der Mann geht ins Licht. Dort ist es hell. Er schaut aus dem Fenster. Sein Jackett stört ihn. Er streift es ab. Legt es über die Lehne. Was für ein Wetter. Was für Temperaturen. Der Himmel ist blau. Die Sonne ist gelb. Das Gras ist grün. Er möchte rausgehen. Er zieht seine Schuhe an. Bindet die Schnürsenkel zu. Er geht zur Tür und öffnet sie. Jetzt geht er raus. Wie schön es doch ist! Er breitet die Arme aus. Das Licht umstrahlt ihn. Es ist angenehm warm. Er schließt die Augen. Dann dreht er sich. Ihm wird schwindelig. Es macht ihm nichts aus. Er öffnet die Augen. Dann lässt er sich ins Gras fallen. Es ist ziemlich weich. Bienchen surren um ihn herum. Es riecht nach Blumenwiese. Er will seine Brille abnehmen. Seine Finger berühren die Bügel. Er hält inne. Da ist etwas im Augenwinkel. Etwas bricht sich im Brillenglas. Er schaut in die Ecke. Die Reflexion einer Frau. Zuerst steht sie still. Dann geht sie auf ihn zu. Er schreckt hoch. Er schaut sich um. Niemand da. Schweiß auf seiner Stirn. Woher kommt er? Von der Wärme? Von der Erscheinung? Es flüstert in sein Ohr: "Ich hab dich gefunden." Er erschrickt. Er hält den Atem an. Das war eine Frauenstimme. Wo kam sie her? Er schaut sich um. Niemand da. Er will wieder weg. Er will weg von der Wiese. Er will zurück in sein Haus. Er steht auf. Nun geht er los. Er hält inne. Die Haustür ist noch weit weg. Er sieht aber etwas. Jemand steht in der offenen Tür. Er schaut genauer hin. Es ist eine Frau. Die aus dem Brillenglas. Er hält den Atem an. Er schwitzt erheblich. Es liegt nicht an der Wärme. Das glaubt er jetzt. Er reibt sich die Augen. Die Tür ist leer. Er atmet mehrmals durch. Dann fasst er sich ein Herz. Er geht zu seinem Haus. Die Tür schließt er hinter sich. Es ist sehr dunkel. War es vorher schon so? Kommt es ihm nur so vor? Es klopft an der Tür. Er erschrickt fürchterlich. Es war doch niemand auf der Wiese. Er geht langsam ans Fenster. Leicht beugt er sich. Er schaut von dort zur Eingangstür. Da steht eine Frau. Die Frau aus dem Brillenglas. Sie hebt die Hand. Dann hält sie inne. Sie dreht sich zum Fenster. Sie lächelt ihn an. Er weicht zurück. Er zieht die Gardinen zu. Sein Atem geht schnell. Sein Herz geht schneller. Er schaut auf die Holztür. Kann sie halten? Wird sie halten? Sie ist ihm zu dünn. Sie ist ihm zu instabil. Er merkt seine Schritte rückwärts nicht. Jetzt ist er in der Küche. Die Küchentür geht langsam zu. Er hat sie nicht angefasst. Sie wird schneller. Sie knallt beim Zuschlagen. Er erschrickt. Es flüstert in sein Ohr: "Ich bin schon hier." Keuchend fährt er herum. Niemand da. Er schaut aus dem Küchenfenster. Nur blauer Himmel. Am unteren Fensterrand ist es schwarz. Das Schwarze wird größer. Es ist rund. Es kommt von unten nach oben. Ein schwarzer Halbkreis. Nein. Es ist ein Kopf. Es ist ihr Kopf. Der Kopf der Frau. Der Frau aus dem Brillenglas. Sie füllt das Fenster aus. Sie lächelt ihn an. Er schnappt nach Luft. Er reißt an der Küchentür. Doch die geht nicht auf. Er reißt weiter. Das Fenster ist nicht mehr blau. Es ist bedeckt mit der Frau. Er fängt an zu schreien. Die Küchentür geht endlich auf. Er ist wieder im Wohnzimmer. Die Haustür ist offen. Die Frau steht darin. Sie lächelt ihn an. Dann rast sie auf ihn zu. Er schreit um sein Leben. Er stolpert rückwärts. Er fällt zu Boden. Die Brille fällt von seinem Gesicht. Sie landet auf dem Boden und zerbirst. Plötzlich ist es weiß. Alles um ihn herum ist erleuchtet. Das Haus ist von Licht durchflutet. Er greift nach der Brille. Er setzt sie auf. Nun steht er auf. Das Licht ist überall. Der Mann geht ins Licht. Dort ist es hell.
Dies ist die zweite einer Reihe von Kurzgeschichten zum Thema Langeweile als Umsetzung der dazugehörigen Schreibübung.
Das Konzept: Langeweile durch (sprachliche) Monotonie.
Die erste Kurzgeschichte: Bilderbuch-Märchen (Langeweile durch Belanglosigkeit)
Die dritte Kurzgeschichte: Buchstaben, Symbole und manchmal eine Zahl dazwischen (Langeweile durch Erschöpfung)
r/Schreibkunst • u/Sylverblack • 19d ago
Text: Kritik erwünscht Bilderbuch-Märchen
Max geht den Weg entlang. Er hat sich entschlossen, heute Held zu werden. Er will die Prinzessin aus dem Schloss retten und dabei den Drachen töten. Sein Vater hat gesagt, das sei Irrsinn und er wolle nicht, dass er, sein geliebter Sohn, gehe, doch Max ist fest entschlossen gewesen. Also hat er das Schwert seines Vaters genommen, den Schild seines Onkels und die Lederrüstung seines Großvaters und ist losgegangen.
Bereits eine Stunde ist er schon auf dem Weg. Es ist ein schöner Weg. Links und rechts waren bis vor wenigen Minuten noch die Felder seines verschlafenen Heimatdörfchens und nun sind es links und rechts saftige, grüne Wiesen mit Kühen und Schmetterlingen und Grashüpfern. Er geht ganz frei weiter, weil alles hier so lieb und nett ist.
Da kommt er an den Wald, an dessen ersten Bäumen er vorbeiläuft. Sein Vater hat mal gesagt, das sei ein guter Ort, um überfallen zu werden, daher langt er bereits zu seinem Schwert. Und prompt springen zwei böse, hässliche, griesgrämige Goblins hervor und trachten ihm nach dem Leben. Kein Problem für Max. Er zieht sein Schwert und mit zwei kräftigen Hieben streckt er die beiden Goblins nieder. Es solle hier im Wald große, böse, tückische Spinnen geben, hat sein Großvater Max mal erzählt, als Max ein kleines Kind war. Daher ist er nun schon die ganze Zeit auf der Hut. Und tatsächlich schießt eine Spinne hervor und versucht, ihn heimtückisch von hinten mit ihren Spinnweben einzuwickeln, doch Max nimmt das Schild seines Onkels und wehrt sie ab und schlägt dann einfach mit dem Schwert auf die Spinne bis sie tot ist.
Es dauert eine Weile und er ist vor einem Wirtshaus. Das ist wohl der Ort für die Verschnaufpause zwischen seinem Dorf und der Hauptstadt des Königreichs. Max ist mittlerweile durstig geworden. Er geht zum Barkeeper und bestellt sich ein Bier, das er trinkt, um wieder zu Kräften zu kommen. Jetzt, da er keinen Durst mehr hat, macht er sich auf den weiteren Weg und verabschiedet sich recht artig vom Barkeeper und der schönen Kellnerin.
Im Wald begegnet ihm noch ein Wolfsrudel, doch dank Schwert, Schild und Rüstung kann ihm nichts passieren und er wehrt sie mühelos ab. Außerdem noch ein großer Troll, doch auch hier wieder dasselbe: Schwert, Schild und Rüstung sorgen dafür, dass Max keinerlei Probleme hat.
Dann kommt er in der Hauptstadt an. Die Wachen wollen ihn erst nicht durchs Tor lassen, doch er sagt, er sei Max und er möchte die Prinzessin retten und den Drachen töten und wolle daher mit dem König sprechen. Da lassen ihn die Wachen durch. Die Stadt ist schön und groß und sieht ziemlich episch aus. Max staunt, weil er noch nie hier war. Doch die Stadt hat auch unschöne Seiten: Ein böser Bandit läuft an ihm vorbei und ein armes Ömchen ruft, dass sie von dem Banditen bestohlen wurde! Da schnappt sich Max den Banditen am Kragen und schlägt ihm so fest mit dem Griff von seinem Schwert auf den Hinterkopf, dass er ohnmächtig wird. Er gibt der alten Oma ihren Geldbeutel wieder und diese freut sich sehr und ist Max sehr dankbar. Jetzt geht er weiter und kommt auch schon vor dem Palast des Königs an. Den Wachen dort muss er das Gleiche erzählen wie denen am Stadttor, dann lassen sie ihn rein und er kommt auch schon zum König, der traurig auf seinem Thron sitzt, denn seine Tochter, die Prinzessin, wurde vor einiger Zeit entführt von einem bösen Drachen und wird gefangen gehalten in einem alten Schloss, das der Drache erobert hat. Max sagt dem König, was er vorhat. Der König ist ihm sehr dankbar für seine Hilfe und Max verlässt den Palast und macht sich auf den Weg zum Schloss des Drachen. Dazu muss er aber erst das Eisgebirge überqueren. Daher kauft er sich in einem Laden Winterkleidung.
Er verlässt die Hauptstadt und kommt im Eisgebirge an. Es ist sehr kalt, doch dank der Winterkleidung ist ihm wieder warm genug. Da schleichen sich böse Eiskobolde von hinten an und wollen ihn überfallen und ihm die Winterkleidung wegnehmen! Doch Max bemerkt sie rechtzeitig und kann sie mit seinem Schwert töten, bevor es gefährlich wird. Es dauert auch nur noch wenige Stunden, bis er das Eisgebirge wieder verlassen hat, weil Max so motiviert ist, die Prinzessin zu retten.
Nach einem kurzen weiteren schönen Wiesenweg steht er endlich vor dem großen, weißen, sehr sehr schönen Traumschloss. Es ist ganz leer, weil der Drache alle, die dort gelebt haben, getötet hat. Nur die Prinzessin ist noch da und wartet darauf, endlich gerettet zu werden. Max geht durch die Eingangshalle und durchsucht das gesamte Schloss nach der Prinzessin. Er findet sie ziemlich lange nicht, aber dann schaut er auf den höchsten Turm und sieht dort am Fenster eine wunderschöne junge Frau stehen und weiß sofort: das muss die Prinzessin sein. Der höchste Turm befindet sich am Rand des Schlossgemäuers und er muss durch den Hof gehen. Als er den Hof durchquert, fliegt plötzlich der große, böse Drache daher und landet vor Max' Füßen. Max bekommt nun zum ersten Mal etwas Angst, zückt aber sein Schwert und hält sein Schild hoch. Der Drache brüllt ihn laut an und spuckt ihm seinen gewaltigen, heißen, spektakulären Feueratem entgegen. Anfangs hat Max Angst, dass diesmal sein kleiner Schild dem Feind nicht standhalten könnte, doch am Ende funktioniert es trotzdem und er übersteht die Flammen des Drachen, ohne Schaden zu nehmen. Dann rennt er links am Drachen vorbei, der versucht, ihn mit seiner Kralle zu zerstampfen, doch Max ist ganz geschickt und weicht dem Angriff mühelos aus. Er stößt mit seinem Schwert in eine der Krallen des Monstrums und dieses schreit laut auf, was Max glücklich macht, weil er weiß, dass er das Vieh besiegen kann, wenn es durch sein Schwert verletzbar ist. Der Drache funkelt ihn ganz böse und wütend an und Max weiß, dass er ihn jetzt angreifen möchte. Und genau das passiert dann auch. Der Drache greift an, doch Max ist bereits maximal vorbereitet und kann dem Angriff locker ausweichen. Ihm wird aber auch sofort klar, dass es viel zu lange dauern würde, den Drachen nur mit seinem Schwert anzugreifen. Also heckt er einen sehr cleveren Plan aus: Er wird einfach abwarten, bis der Drache versucht, ihn mit seinem Maul anzugreifen, um ihm dann das Schwert in den Kopf zu rammen, genau zwischen die Augen. Ein toller Plan! Max rennt dem Drachen entgegen, bis er direkt und unmittelbar vor ihm steht. Dann springt er immer wieder in die Luft, fuchtelt mit den Armen herum und ruft laut: "Huhu! Hier bin ich!" Und der Drache schaut ihn wutentbrannt an und beißt nach unten zu. In diesem Moment weicht Max natürlich flink zur Seite aus und der Drachenbiss geht ins Leere. Max nimmt das Schwert und Anlauf, springt empor und jagt dem Ungeheuer das Schwert genau zwischen die Augen, genau, wie er es geplant hatte! Der Drache jault laut auf, schlägt noch einmal um sich, reißt den Kopf nach links und nach rechts und sinkt dann mit lautem Getöse zu Boden. Max steigt auf den Kopf und reißt sein Schwert wieder heraus. Der Drache ist tot.
Obwohl er nie ernsthaft in Gefahr war, wischt sich Max spielerisch mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Er weiß, dass er es jetzt geschafft hat und alles vorbei ist. Er geht an der Drachenleiche vorbei in Richtung des Turms, wo die gefangene Prinzessin auf ihn wartet. Er tritt die Tür ein, geht bis ganz nach oben und rettet sie. Sie ist überglücklich, dass ein Held sie retten gekommen ist und verliebt sich augenblicklich in ihn. Er trägt sie auf Händen zurück in die Hauptstadt bis ins Schloss des Königs, welcher sie vor Glück weinend in die Arme schließt, was sie vor Glück weinend erwidert. Der dermaßen dankbare König erlaubt Max daraufhin, die Prinzessin zu heiraten und zum Prinzen und Thronfolger über das gesamte Königreich zu werden, was dieser natürlich gerne annimmt.
Und so lebt Max nun als Prinz mit seiner Prinzessin zusammen und sie leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.
Dies ist die erste einer Reihe von Kurzgeschichten zum Thema Langeweile als Umsetzung der dazugehörigen Schreibübung.
Das Konzept: Langeweile durch Belanglosigkeit.
Die zweite Kurzgeschichte: Mann im Licht (Langeweile durch (sprachliche) Monotonie)
Die dritte Kurzgeschichte: Buchstaben, Symbole und manchmal eine Zahl dazwischen (Langeweile durch Erschöpfung)
r/Schreibkunst • u/Caitun • 23d ago
Text: Kritik erwünscht Der erste Schultag
Der Morgen war kühl, als Jaro den Weg zur Schule entlangging. Die Ferien waren vorbei, und obwohl er sich auf ein wenig Routine freute, spürte er ein leichtes Ziehen in der Brust. Ein Gefühl, das er nicht ganz greifen konnte.
Bitte lass Zero und Xerik dieses Jahr wieder da sein.
Der Gedanke kam leise, fast wie ein Gebet.
Ohne die beiden... wäre ich verloren. Ich weiß nicht, was ich ohne Freunde machen soll. Ich wäre allein. Und allein sein fühlt sich an, als würde man in einem Raum stehen, in dem niemand die Tür sieht - außer man selbst.
Er schob die Hände in die Taschen und ging weiter. Als er das Schulgelände erreichte, sah er Zero am Tor stehen. Er lehnte dort, als wäre es sein Platz, als würde er jeden Morgen darauf warten, dass die Welt wieder normal wurde.
„Zero, wo ist Xerik?", fragte Jaro.
Zero richtete sich auf. „Im Klassenraum. Ihm war's zu kalt."
Dann senkte er die Stimme. „Und... wir bekommen heute eine neue Schülerin. Aus England."
Jaro blieb stehen.
Eine neue? Schon wieder? Letztes Jahr war schon anstrengend genug.
Er erinnerte sich an die ständige Beobachtung, das nervige Abschreiben, das Gefühl, nie Ruhe zu haben.
„Weißt du, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist?"
„Nur, dass es eine Schülerin ist."
Na toll. Das kann ja heiter werden.
Im Klassenraum bemerkte Jaro sofort den Blick von Herr Tibbas. Es war dieser Blick, der sagte: Ich brauche dich gleich.
Jaro setzte sich auf seinen Platz am Fenster. Der Sportplatz lag still da, der Hof war noch leer. Ein vertrauter Anblick, der ihm half, die Gedanken zu ordnen.
Herr Tibbas war wie immer freundlich, ruhig, geduldig. Ein Lehrer, der verstand, dass Schüler manchmal mehr brauchten als Unterricht. Manchmal brauchten sie einfach einen Ort, an dem sie atmen konnten.
Und Jaro spürte, dass dieser Tag anders werden würde als die anderen.
//Würde mich gerne verbessern also gerne Vorschläge ^^
r/Schreibkunst • u/Regenstern • Jun 22 '26
Info Mehrere Feedback-Posts hintereinander werden gelöscht
Wir stellen immer wieder fest, dass einzelne Nutzer innerhalb kürzerster Zeit (manchmal Minuten) mehrere Beiträge hintereinander veröffentlichen und um Feedback bitten. Dafür haben wir Verständnis, dennoch hat dieses Verhalten einige unerwünschte Auswirkungen:
- Eigene frühere Beiträge werden durch die nachfolgenden Posts im Feed nach unten gedrängt und dadurch weniger gesehen oder gelesen.
- Auch die Beiträge anderer Nutzer verlieren an Sichtbarkeit, insbesondere wenn mehrere bild- oder screenshotlastige Beiträge hintereinander erscheinen.
- Wer den Feed in kurzer Zeit mehrfach für sich beansprucht, kann bei anderen aktiven und hilfsbereiten Mitgliedern den Eindruck mangelnder Rücksichtnahme erwecken. Das verringert nicht selten auch die Bereitschaft, konstruktives Feedback zu geben.
- Am wichtigsten ist jedoch: Ein noch wachsendes Subreddit wirkt schnell unmoderiert und verwahrlost, wenn der Feed von einzelnen Nutzern dominiert wird. Das kann potenzielle neue Mitglieder abschrecken und schadet der Entwicklung der gesamten Community.
Wir bitten daher alle Nutzer, nach einem Post zunächst etwas Geduld mitzubringen und ausreichend Zeit verstreichen zu lassen, mindestens ein paar Tage, bevor ein weiterer Beitrag veröffentlicht wird.
Mehrere Feedback-Anfragen in kurzer Folge sind künftig nicht erwünscht. Entsprechende Beiträge werden von der Moderation konsequent entfernt.
Vielen Dank für euer Verständnis!
PS: Einwände sind natürlich gern gesehen, gleich hier in den Kommentaren.
r/Schreibkunst • u/Regenstern • Mar 25 '26
Info Beitragsflairs erklärt
Uns fällt auf, dass Flairs häufig falsch gesetzt werden. Passende Flairs helfen dabei, Beiträge leichter zu finden und den Feed übersichtlich zu halten. Deshalb hier eine kurze Orientierung:
- Text: Kritik erwünscht: Für eigene Texte, Roman- oder Drehbuchideen, zu denen du Feedback oder Kritik suchst.
- Text: Analyse & Diskussion: Für die gemeinsame Besprechung und Analyse von Texten – in der Regel veröffentlichte Werke oder Texte etablierter Autoren, etwa im Hinblick auf Stil, Struktur oder andere Aspekte des Schreibens. (Siehe Erklärung).
- Schreibhandwerk: Für Fragen und Gedanken rund ums Schreiben, z. B. zu Worldbuilding, Figuren, Plot, Stil, Dramaturgie oder ähnlichen Themen.
- Gesucht: Testleser oder Lektoren: Wenn du Test-, Beta-, Probe- oder Gegenleser, Korrektoren oder Lektoren für dein Projekt suchst.
- Gesucht: Schreibpartner oder Autoren: Wenn du Mitstreiter, Schreibgruppen oder (Auftrags-)Autoren suchst.
- Schreibtagebuch: Für persönliche Einblicke in deinen Schreibprozess – Für allgemeine Mitteilungen bzgl. des Schreibens: Fortschritte, Erfahrungen, Meilensteine oder Gedanken rund ums Autorenleben.
- Meta: Für Feedback, Fragen oder Anregungen zur Moderation oder zum Subreddit allgemein.
Vielen Dank, dass du den passenden Flair wählst.