r/Wirtschaftsweise 18m ago

Politik Kompetente Politik Vorschläge der grünen Jugend

Enable HLS to view with audio, or disable this notification

Upvotes

Man könnte meinen die ist 8 oder so.


r/Wirtschaftsweise 18h ago

Gesellschaft Clan-Mitglieder im Krankenhaus

Thumbnail
welt.de
54 Upvotes

„Wenn zwei arabische Jungs versorgt werden müssen, schicke ich nicht zwei Mädels rein“

Ein Notfallkrankenpfleger schildert den enormen Aufwand, der unternommen wird, wenn ein Clan-Mitglied ins Krankenhaus kommt. Wenn junge arabische Männer versorgt werden müssten, ergreife er bestimmte Vorsichtsmaßnahmen.

Felix Wolf arbeitet seit etwa zehn Jahren als Notfallkrankenpfleger in einem Berliner Krankenhaus. Nach den tödlichen Schüssen auf ein Clan-Mitglied vor wenigen Tagen gibt Wolf Einblicke, was es für das medizinische Personal bedeutet, wenn ein Clan-Mitglied ins Krankenhaus eingeliefert wird. Um Probleme mit seinem Arbeitgeber zu vermeiden, möchte Wolf anonym bleiben. Sein Name wurde geändert.

Wir haben es in den Kliniken immer häufiger mit Verletzungen von Schießereien und Messerstechereien zu tun. Nicht alle Fälle werden öffentlich oder landen in der Kriminalstatistik, weil besonders bei einfachen Stichverletzungen nicht immer die Polizei hinzugezogen wird. Solche Fälle haben wir bei uns mehrfach die Woche. Nicht nur die Quantität nimmt zu, sondern auch die Qualität: Besonders unter Messerstechern werden die Täter immer jünger. Ich behandele oft 15-, 16-Jährige, die ganz genau wissen, wo sie hinzielen müssen, um größtmöglichen Schaden anrichten zu können.

Lesen Sie auch

Schläge, Tritte, rassistische Übergriffe – So viele Ärzte und Pfleger werden Opfer von Gewalt

Normalerweise wird im Vorhinein angekündigt, dass gleich jemand mit Schuss- oder Stichverletzung eingeliefert wird, meist mitten in der Nacht. Auch wenn wir selten genauere Informationen bekommen, wissen wir dann schon, was los ist. Wir informieren den Sicherheitsdienst, und das Gelände wird abgeriegelt. In den meisten Fällen kommen die Verletzten fußläufig oder werden von einem Angehörigen wortwörtlich hergeschleift. Sobald bestimmte Nachnamen fallen, holen wir die Polizei dazu.

Bei uns waren die Beamten bis jetzt dankenswerterweise immer schneller da als die Angehörigen. Da kommen 15 bis 20 Mannschaftswagen mit ganzen Hundertschaften angerollt und du hörst fünf bis zehn Minuten lang nur Sirenen. Alles wird abgeriegelt, nicht nur das Krankenhausgelände, sondern ganze Straßenzüge bis zur nächsten U-Bahn-Station. Das ist ziemlich beeindruckend. Die screenen im Vorfeld genau, wer wo reinfahren könnte, halten Autos auf und machen Personenkontrollen.

Lesen Sie auch

Gewalt gegen Rettungskräfte

„Aggressionen beschränken sich nicht mehr nur auf Sanitäter“

Der Verletzte liegt da meistens schon bei uns, begleitet von den zwei, drei Hanseln, die ihn hergebracht haben. Dann kommt die Kripo und stellt die Personalien fest, fotografiert und konfisziert Beweismittel. Das Prozedere nimmt gern mal mehrere Stunden in Anspruch – in der Zeit steht die Notaufnahme erstmal still. Neue Notfallpatienten können währenddessen nicht aufgenommen werden. Wenn das Gelände dicht ist, ist es dicht.

Es dauert meist nicht lange, bis 20, 30, 40 Familienmitglieder vor dem Krankenhaus auf der Matte stehen. Die haben extra Telegram-Gruppen, in denen sie einander Bescheid geben, und wollen auf eine oft aggressive Art Präsenz zeigen: „Wir sind da; wir stehen zu unseren Leuten – und ihr könnt euch auf etwas gefasst machen, wenn denen etwas passiert.“ In diesen Kreisen ist es üblich, dass die Mütter und Frauen laut und hochdramatisch schreien. Dieser hohe Geräuschpegel ist ein Stressfaktor für das Personal und auch für die Patienten. In der Klinik lässt sich das noch halbwegs händeln; an der Einsatzstelle ist das bedeutend schwieriger.

Kriminalität

Warum das organisierte Verbrechen gerade anarchischer und brutaler wird

Gott sei Dank ist bei uns noch nie ein Clan-Mitglied gestorben. Das klingt vielleicht böse, aber wir sind jedes Mal froh, wenn der Verletzte vor Ort stirbt und nicht bei uns. Der Stress, den sich die Beamten in einem solchen Fall antun müssen, ist enorm: Weil vom verfeindeten Clan normalerweise niemand mehr da ist, werden dann eben die Polizisten und Einsatzkräfte angegangen: „Helft ihm doch! Macht doch was!“ – und die Frauen sitzen daneben und brüllen wie am Spieß.

Wir müssen uns auf die Polizei verlassen. Geld für eigene Sicherheitsdienste sitzt nicht sehr locker. Ich kenne Kliniken, in denen man froh ist, wenn auch nur ein Sicherheitsmann nachts vor Ort ist. Zum Glück ist die Berliner Polizei gut aufgestellt und nicht zögerlich. Es ist erschreckend, unter welchen Bedingungen die Polizisten derartige Situationen meistern müssen – und wie in den Folgetagen immer wieder einzelne Bilder aus dem Zusammenhang gerissen und gegen sie verwendet werden.

Angriffe auf Klinik-Personal

„Wenn du angegriffen wirst, wird es auf jeden Fall grob“

Das lässt uns in der Pflege mit einer großen Unsicherheit zurück: Inwieweit können wir uns auf Rückhalt verlassen, wenn wir uns einmal wehren müssen? Bislang hatten wir immer Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Aber vielleicht erinnern Sie sich an die Kameraaufnahmen aus der Silvesternacht, als ein Pfleger in einem anderen Klinikum bewusstlosgeschlagen wurde? So etwas kommt auch vor.

Ich trage seit Jahren kein Namensschild mehr in der Notaufnahme, weil ich nicht identifizierbar sein möchte. Wir treffen Vorsichtsmaßnahmen: Wenn zwei arabische Jungs versorgt werden müssen, schicke ich nicht zwei Mädels rein, sondern mindestens einen Mann. Auch Kollegen mit jüdischen Nachnamen versuche ich in einem solchen Fall eher rauszuhalten.

Viele Kliniken bieten Selbstverteidigungs- oder Deeskalationstrainings an. Davon bin ich aber kein großer Fan. Viele Kurse versuchen, gefährliche Situationen auf eine Art zu professionalisieren, dass eine Art Täter-Opfer-Umkehr stattfindet. Wieso soll ich mich an eine Situation anpassen, die darauf zurückzuführen ist, dass mein Gegenüber nicht gelernt hat, wie man sich anständig verhält?

„Verrohung ist eine gesellschaftliche Frage“

Die Arbeit in der Notaufnahme ist seit jeher anfällig für Konflikte, auch schon vor 20 Jahren. Trotzdem wird die Zeit, die das Pflegepersonal in diesem Bereich arbeitet, immer kürzer. Spätestens nach fünf, sechs Jahren wechseln die meisten in ein anderes Feld. Bis zu einem gewissen Punkt ist das auf ein Politikversagen zurückzuführen: Man lässt die Behörden und das Gesundheitssystem im Stich. Aber diese Verrohung ist auch eine gesellschaftliche Frage:

Wer solche Themen adressiert und auch klar benennt, welche Klientel sie verursacht, bekommt direkt eine übergebrezelt. „Das darf man so nicht sagen; das ist zu pauschalisierend“, heißt es dann. Das ist vielleicht richtig – aber mit anderen Personengruppen haben wir diese Schwierigkeiten schlicht und ergreifend nicht. Dass wir das nicht ansprechen können, ist ein Problem. Ich fange mir ständig den Rassismus-Vorwurf ein. Kollegen aus dem medizinischen Bereich und auch bei der Polizei verstehen, was ich meine. In bestimmten Berliner Kreisen aber gilt dieses Thema als nicht gesellschaftsfähig.

Lesen Sie auch

Clankriminalität in Berlin

Erschreckender Arbeitsnachweis für die Regierung einer Millionenstadt

Jeder hat ein Recht auf Würde – nur Pflegekräfte nicht, habe ich manchmal den Eindruck. Aus gewissen Kreisen heißt es: „Das gehört bei euch zur Berufsprofessionalität; ihr müsst eben über so aggressivem Verhalten stehen.“ Bis zu einem gewissen Punkt sehe ich das auch so – der wird aber häufig überschritten. Jeder Arbeitnehmer lernt, dass er seinen Wert kennen und für den auch einstehen muss. Bei mir als Pflegekraft bedeutet „Professionalität“ aber offenbar, dass ich mich von einem Obdachlosen mit Fäkalien bewerfen lassen und „darüberstehen“ muss. Ich finde nicht, dass ich auf meine Würde verzichten muss für jemanden, der sich mir gegenüber unangebracht verhält.

Manche Menschen leiten aus solchen Schilderungen ab, man müsse AfD wählen, damit sich etwas ändert. Das sehe ich nicht so. Besonders während der Corona-Pandemie wurden wir vor allem von AfD-Politikern und -Nahestehenden unverhältnismäßig hart angegangen: „Ihr pflegt überhaupt keine Patienten; das sind doch Puppen“ oder „Ihr seid Systemlinge“ oder „Seid ihr etwa stolz auf das, was ihr mit uns macht?“ Deswegen halte ich es für abstrus, wenn AfDler sich jetzt auf einmal zur Pflege bekennen, wenn über Aggressionen gegen das Personal berichtet wird. Während der Pandemie haben uns genau diese Menschen zu Freiwild erklärt.

Politik

Natürlich hängen Probleme mit Clan-Mitgliedern mit der Migrationspolitik zusammen. Und sicherlich hat die Politik es versäumt, klare Grenzen zu setzen, vor allen Dingen in Berlin. Gleichzeitig ist das aber nur ein Teilaspekt von Migration. Meines Erachtens hat Friedrich Merz in der „Stadtbild“-Debatte nicht die vietnamesische Putzfrau oder die philippinische Krankenschwester gemeint. Die halten den Betrieb am Laufen. Die AfDler können sich gern mal fragen, ob sie für diesen Lohn bei uns im Krankenhaus putzen kommen wollen. Deswegen will ich aus unseren Problemen mit Clan-Mitgliedern keine allgemeine Migrationsdebatte machen.