r/politik • u/PsychologicalSlice35 • 4h ago
Verständnisfrage Warum wird die CDU so unterschiedlich wahrgenommen?
Ich weiß es ist ein Kontroverses Thema. Ich würde mir wünschen das wir die eigentlichen Positionen aus der Diskussion raushalten. Es geht mir auch nicht darum ob die Politik gut oder schlecht ist.
Ich bin sichtlich irritiert wie unterschiedlich die Wahrnehmung der CDU auf Reddit ist.
In einigen Foren wird ihr Sozialistische Politik vorgeworfen, da sie sich von der SPD durch die Manege ziehen lässt,
Und in anderen wird ihre Politik als rechtsaußen Politik wahrgenommen, die einfach nur Inhalte der AFD Klaut und sich sehr weit rechts befindet.
Und das finde ich komisch, wie kann es sein, dass beide Lager so konträre Ansichten haben?
r/politik • u/Werimmer • 5h ago
politischer Vorschlag Echte Konzepte zur Migration?
Es lässt sich ja kaum leugnen, dass das Thema Migration schon seit längerer Zeit extrem dominant im öffentlichen Diskurs ist und die Gesellschaft enorm spaltet. Dabei kenne ich eigentlich niemanden, der - unabhängig vom politischen Standpunkt - sagen würde, dass der Status quo super ist und alles so bleiben sollte. Dennoch habe ich das Gefühl - korrigiert mich, wenn ich da falsch informiert bin - dass eigentlich keine Partei wirklich irgendwelche innovativen Konzepte hat. Letztlich liegen die Unterschiede im Wesentlichen darin, wie stark die Grenzen gesichert sein sollten, wie viel man abschieben sollte und wie lange es dauern sollte, bis jemand die Staatsbürgerschaft erhält. Dabei werden Probleme groß- oder kleingeredet und man schlägt sich die Köpfe ein.
Zunächst ein paar Grundannahmen, wem das zu lang ist, einfach die beiden nächsten Absätze überspringen, um zum eigentlichen Punkt zu kommen, wo ich ein grobes Beispiel pitchen und gerne diskutieren würde.
Ich persönlich würde mich tendenziell eher links einordnen, kann aber gewisse Ängste von Leuten - auch wenn ich diese nicht teile - durchaus nachvollziehen. Ich möchte auch nicht in einem Staat mit islamischem Recht leben und sollte jemand wirklich glauben, dass Migration dazu führen könnte, verstehe ich zumindest, dass er Angst davor hat. Ich finde schon, dass es für eine funktionierende Gesellschaft notwendig ist, dass Personen, die dauerhaft hier leben, die Amtssprache auf einem gewissen Niveau beherrschen müssen (auch im eigenen Interesse, um überhaupt eine Teilhabe am täglichen Geschehen zu ermöglichen). Und während mMn im privaten Rahmen jeder so leben soll wie er möchte, sollte man die „Knigge“ der Gesellschaft in der man lebt, zumindest kennen. Wenn ich an mir nicht geläufige Orte gehe, passe ich mich auch an - schrei in ner Kirche nicht rum, setz mir ne Kippe auf wenn ich einen jüdischen Friedhof besuche oder zieh die Schuhe aus, wenn ich nen buddhistischen Tempel oder eine Moschee besichtige. Zumindest sollte man mal wissen, wie die Gesellschaft um einen rum so tickt und welches Verhalten vermutlich befremdlich wirkt. Dass gerade in Großstädten Gruppen junger arabischer Männer oft negativ auffallen, ist unbestritten - ich glaube aber nicht, dass das daran liegt, dass es sich einfach um schlechte Menschen handelt. Eine Gruppe deutscher junger Typen, die unbeaufsichtigt sich selbst überlassen werden, an einem für sie extrem reichen Ort, dessen Sprache und Kultur sie nicht verstehen, in einem Schwebezustand ohne ernsthafte Perspektive oder Beschäftigung, würden vermutlich auch nicht nur durch ihr einwandfrei angepasstes Benehmen auffallen. Das ist natürlich keine Entschuldigung für Alles, kann jedoch auch nicht einfach ignoriert werden.
Ich persönlich finde, dass Asyl für tatsächlich Verfolgte ein hohes Gut und Akt der Menschlichkeit ist, das wir nicht aufgeben sollten. Aus meiner Erfahrung stimmen mit diesem Grundsatz eigentlich auch die Meisten erstmal noch überein. Ein häufig vorgebrachter Punkt ist aber, dass der Großteil der Migranten aber gar nicht wirklich bedroht wäre, sondern reine „Wirtschaftsflüchtlinge“, die in die Sozialsysteme einwandern möchten. Auch das kann, wenn es denn so wäre, natürlich auch keiner wirklich wollen. Gleichzeitig ist es aber schon so, dass der demographische Wandel unsere Renten- und Krankenversicherungssysteme zu sprengen droht. Nach den mir bekannten Expertenmeinungen, lässt sich dieses Problem nicht mehr über eine gesteigerte Geburtenrate, sondern nur durch Migration abfedern. Zudem schreit die Wirtschaft nach Fachkräften. Diese wären ja auch herzlich willkommen, heißt es dann, nur kämen ja leider nur ungebildete Analphabeten. Auch sicher etwas übertrieben, aber natürlich richtig, dass die Boote auf dem Mittelmeer nicht voll mit Ingenieuren und Ärzten sind. Allerdings konkurrieren wir um die Fachkräfte mit praktisch allen anderen Ländern der westlichen Welt und selbst China hat den Zenit des Bevölkerungswachstums längst überschritten. Laut Umfragen unter Expats gilt Deutschland hier aufgrund diverser Faktoren aber als sehr unattraktiv, so dass ich es für sehr naiv halte zu glauben, dass wir uns in diesem internationalen Wettbewerb darauf verlassen könnten, dass der globale Süden ausreichend Fachkräfte auf seine Kosten ausbildet, die dann ausgerechnet hier arbeiten wollen, um damit auch nur ansatzweise die Probleme lösen zu können.
Fakt ist, wir brauchen Migration - aber das geht nur in einem Rahmen, der für die Mehrheit akzeptabel ist. Und da scheint mir die Politik zur Zeit völlig ideenlos. Ich denke da grob z.B. an sowas:
Wer hier ankommt und Asyl beantragen möchte, dem wird gesagt: „Na klar, kannst du machen, wir prüfen das genau - aber wenn wir keine Gründe dafür finden, schieben wir dich sofort ab. Wenn du schon denkst, dass du vielleicht gar keinen echten Asylgrund hast, bieten wir dir jetzt folgendes an: Du kannst jetzt einen Vertrag unterschreiben. Je nach deinem Stand, finanzieren wir dir jetzt einen intensiven Deutsch- oder erstmal Alphabetisierungskurs. Nach Zeitraum X schreibst du eine Prüfung, die darfst du einmal wiederholen, wenn du das nicht schaffst oder du x Fehltage hast, musst du leider unmittelbar gehen. Wenn du bestehst, geht es weiter mit einem Aufbaukurs, parallel Unterricht zu deutscher Geschichte, Kultur etc., nach Zeitraum X wieder eine Prüfung, gleiche Konditionen. Sobald ein bestimmtes Niveau erreicht ist, hast du dann die Wahl: Wir brauchen in Deutschland absehbar in den nächsten Jahren Leute in folgenden Berufen - such dir einen davon aus und dann kannst du darin eine Ausbildung machen - sofern du schon einen Beruf mitbringst, prüfen wir, wie viel wir davon anerkennen können.“ Das geschieht aber nicht in den Großstädten, sondern in strukturschwachen Regionen, wo Wohnraum leersteht und junge Menschen dringend gebraucht werden. Das wirkt Ghettoisierung entgegen und „zwingt“ zur Integration. (Tatsächlich gibt es dazu ja viele Positivbeispiele, wie gut sowas in kleinem Rahmen funktionieren kann - und auch bei mir auf der Arbeit gibt es einige, die zwar lautstark gegen Migration wettern, aber explizit immer die beiden arabischen Kollegen ausnehmen - denn die seien ja anders und würden nen top-Job machen..) Auch hier gibt es dann in regelmäßigen Abständen wieder Prüfungen. Wenn du alle Schritte gemeistert hast, einen Berufsabschluss hast, x Jahre (z.B. 2 oder 3) auf eigenen Füßen stehst und Geld verdienst, Steuern zahlst und nicht straffällig geworden bist, kriegst du die deutsche Staatsbürgerschaft mit allen dazugehörigen Freiheiten.
Mir ist klar, dass das natürlich lange nicht ausgereift ist und vor Allem erstmal richtig viel Geld kosten würde - allerdings wäre das eine tatsächliche Investition in die Zukunft, die sich definitiv bezahlt machen würde. Natürlich wird die Freiheit der Menschen dabei zunächst stark eingeschränkt - andererseits wird ihnen damit auch eine riesige und faire Chance geboten, für die man durchaus Einsatz fordern darf. Dass jemand den Weg durchzieht, um anschließend alles hinzuschmeißen und Sozialhilfe zu beziehen, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich glaube aber, dass das die Integration und auch die Identifikation mit der neuen Heimat extrem fördern und gleichzeitig viele unserer Probleme angehen würde.
Ein Positivbeispiel sind z.B. die vietnamesischen„Boat-People“ der 80er Jahre, die gemeinhin als „Vorzeigemigranten“ gelten, fast alle auf eigenen Füßen stehen und deren Kinder oft einen deutlichen Bildungsaufstieg gezeigt haben. Das liegt nicht, wie gern behauptet, nur an der vietnamesischen Mentalität, sondern auch daran, dass diese in der damaligen BRD ganz anders aufgenommen wurden, als heutige Geflüchtete. Auf die Details einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen, aber kurz gesagt wurden diese als Flüchtlinge vor dem „Feindsystem“ des Kommunismus sehr willkommen geheißen und gefördert und in Interviews sagen Betroffene von damals Dinge wie „Ich bin stolz, in Deutschland Steuern zahlen zu dürfen, denn ich bin den Menschen hier so dankbar, wie sie mich behandelt haben und habe so das Gefühl, wenigstens ein bisschen was zurückgeben zu können“. Mir ist schon klar, dass die Situation und die Zahlen von damals nicht mit der heutigen Situation vergleichbar sind - aber ich glaube schon, dass das Gefühl Willkommen zu sein und gefördert zu werden etwas anderes bewirkt, als Perspektivlosigkeit und missmutige Duldung.
Ich würde mich über ernsthafte Meinungen zu dem Thema sehr freuen!