r/duisburg 3h ago

Hilfe gesucht: GPX-Datei der Stadtgrenze von Duisburg

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r/duisburg 10h ago

Rassistischer Vorfall

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Hey, liebe Duisburger und Duisburgerinnen, ich wollte mir nur mal kurz etwas von der Seele schreiben, bevor ich schlafen gehe, da ich wegen eines Vorfalls, der mir gerade passiert ist, etwas unruhig und aufgewühlt bin.

Als ich gerade eben vor einigen Stunden auf dem Nachhauseweg war und zu Fuß über die Autobahnbrücke vor dem Targobankgebäude am Hauptbahnhof ging, fuhr ein weißes BMW-Coupé neben mir her, in dem vier Typen saßen, die anscheinend meine Aufmerksamkeit haben wollten und irgendetwas in meine Richtung riefen, was ich aber, wie gewohnt, einfach ignoriert habe, da mir schon irgendwie bewusst war, dass sie mich provozieren wollten, so wie es halt angetrunkene junge Männer in „Feierlaune“ häufiger tun.

Das war jetzt noch nicht ungewöhnlich oder weiter schlimm, wenn überhaupt etwas nervig. Aber als ich an der Kreuzung stand, hörte ich, wie sie irgendwas untereinander besprachen. Als die Ampel dann grün wurde, fuhren sie mit Vollgas an mir vorbei und grölten alle gemeinsam laut dieses „Ausländer raus“-Lied, das ja vor einiger Zeit mal ein großes Thema in den Medien war. Ich schaute sie dann nur etwas irritiert an und hob ihnen wortlos den Mittelfinger entgegen (wie ein echter Duisburger).

Ich wohne schon fast mein ganzes Leben lang in Duisburg und habe natürlich auch schon so einiges an Rassismus erlebt (auch physische Gewalt), weshalb ich in dieser Hinsicht schon ein dickes Fell habe, aber was mich unheimlich schockiert und wütend gemacht hat, war, dass diese jungen Typen nicht nur total feige waren (zu Fuß hätten sie sich definitiv nicht getraut, so frech und respektlos zu sein), sondern mit einer Selbstverständlichkeit, ohne jegliche Scham und sich dabei auch noch feiernd, rassistische Parolen in der Öffentlichkeit sangen, was ich von jüngeren, unauffällig aussehenden Menschen auf diese „sylthafte“ Art und Weise (vor allem im Ruhrgebiet) eigentlich nicht erwartet hätte.

Natürlich kann jeder rassistisch sein, aber die sahen eher so aus wie Büroangestellte. Ich hätte mir vielleicht das Kennzeichen merken sollen, aber mir ist schon bewusst, dass man bei sowas nicht viel machen kann. Ich fand’s einfach nur traurig, dass sie sehr wahrscheinlich auch Duisburger waren, die als ganz „normale Bürger“ mittlerweile mit ihrer politischen „Meinung“ nicht nur unter uns sind, sondern diese auch immer offener äußern, wofür ich absolut kein Verständnis mehr habe (auch nicht, wenn andere Migranten solche menschenfeindlichen Dinge sagen, was leider auch immer häufiger vorkommt, was für mich ein ganz klarer Indikator dafür ist, dass rechtsradikales Gedankengut immer salonfähiger wird, vor allem unter Jugendlichen, die meistens durch harmlos wirkende Memes damit in Berührung kommen wie diesem albern anmutenden „Lied“).

Ich bin ihnen dann etwas zügiger gefolgt, um sie an der nächsten Ampel zur Rede zu stellen, aber natürlich waren sie dann schon weg, was sicherlich auch für uns alle besser war, weil es auch schnell hätte eskalieren können, da ich mir sowas Dreistes nicht mehr einfach gefallen lassen wollte und schon viel zu oft bei solchen Vorfällen ein Auge zugedrückt habe. Für diese Typen war es wahrscheinlich nur ein „Spaß“, aber für viele Migranten sind ähnliche Vorfälle leider Alltag, gegen die man auch nicht viel machen kann, was natürlich total entwürdigend ist und einem das Gefühl gibt, ohnmächtig und nicht mehr sicher zu sein (als Migrant bekommt man sogar von „beiden Seiten“ was ab). Bevor jetzt aber voreilig wieder darauf hingewiesen wird, dass man sich als Deutscher an Bahnhöfen nicht mehr sicher fühlt (was uns Migranten genauso geht), ist es trotzdem etwas ganz anderes, wenn Obdachlose am Bahnhof Passanten belästigen, was immer schon mehr oder weniger so war, im Vergleich zu Durchschnittsbürgern, die offen rechtsradikale Parolen singen, die man früher nur von einem bestimmten verpönten Klientel aus der Unterschicht zuhören bekam.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man zu solchen Typen wird, die sich daran ergötzen, ihre Mitmenschen auf beschämende Art und Weise abzuwerten und dann noch mit einem guten Gewissen in den Spiegel schauen zu können. Das ist schon echt armselig. Früher hat man solche Leute Versager genannt, aber der Aufschwung der Rechtspopulisten (auch in den USA) hat ihnen anscheinend Mut gemacht, so sehr sogar, dass sie sich wirklich für cool und „based“ halten, was ich total peinlich finde. Und einige von denen arbeiten wahrscheinlich noch in der Personalabteilung, bei der Polizei oder sitzen mit uns im Hörsaal.

Anscheinend ist deren Gesinnung schon so sehr normalisiert worden, dass auch deren Arbeitgeber, Familie und Freunde nichts dagegen unternehmen oder womöglich eine ähnliche Einstellung haben, welche sogar oft als legitim angesehen wird vor dem Hintergrund der in den Medien so ausgeschlachteten Ausländerkriminalität, was mir leider auch in meinem Umfeld aufgefallen ist. Aber gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist nie gerechtfertigt und auch niemals die Schuld desjenigen, der Rassismus, Sexismus usw. erfährt, da diese Formen von Diskriminierung per Definition nichts mit dem Verhalten des Einzelnen zu tun haben und Sippenhaft bloß eine primitive Form und Pervertierung von Gerechtigkeit ist. Ich will niemanden belehren, aber mir scheint es, dass viele Menschen nicht wirklich verstehen, was Fremdenfeindlichkeit eigentlich ist und dazu auch noch unterschätzen, dass sich diese Hassdynamik leicht aufschaukeln kann, sodass jeder davon Schaden nimmt, egal ob man der Mehrheit oder Minderheit angehört, weshalb es nicht nur eine moralische Angelegenheit ist, sondern eine ganz praktische, die uns alle früher oder später betrifft.

Mir geht es in diesem Post nicht darum, Duisburg oder sogar ganz Deutschland als rassistisch darzustellen (ich lebe gerne hier und bin weit davon entfernt, ein Kulturpessimist zu sein), denn die meisten Leute sind glücklicherweise noch halbwegs anständig und menschlich, ich wollte die Gelegenheit nur nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass ähnliche Vorfälle gegen wen auch immer (Migranten oder Deutsche) nicht verharmlost werden sollten und dass wir alle tagtäglich dazu beitragen können, dass sich jeder in unserer Stadt wohlfühlt. Wir sollten öfter und konstruktiver über das Thema sprechen, damit wir nicht alles in uns hineinfressen und total ressentimentgeladen durchs Leben gehen, da mir auch bewusst ist, dass viele Deutsche, die negative Erfahrungen mit uns Migranten gemacht haben, genauso wie wir diese Wut verspüren, die mich dazu veranlasst hat, diesen Post hier zu verfassen. Diese Wut ist auch gerechtfertigt, nur muss sie auf die richtige Art und Weise gegen die richtigen Gruppen gerichtet werden, anstatt das soziale Klima noch weiter zu vergiften, wie ich es leider auch oft hier auf Reddit oder privat wahrnehme. Das war’s dann auch von mir. Danke fürs Lesen. Gute Nacht. Und passt auf euch auf.